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Teheran - Es fängt immer mit einem höflichen Einleitungssatz an, fast geflüstert - aber oft mit harten Konsequenzen: In Teherans Straßen nähern sich neuerdings Sittenpolizistinnen Passantinnen, deren Mantel sie zu kurz oder deren Oberteil sie zu eng finden - und die damit ihrer Ansicht nach gegen die islamische Kleiderordnung verstoßen.
"Asisam (meine Liebe), guten Tag, wir sollten ein kleines Gespräch führen", sagen sie und dann: "Meine Liebe, es gibt da ein Problem mit deinem Mantel - bitte zieh' solche Modelle nicht mehr an." Vorschriftsmäßige Mäntel müssten nämlich anders aussehen, länger und weiter, erklären die Sittenwächterinnen.
Seit der Islamischen Revolution 1979 müssen Frauen im Iran ihre Haare durch Schleier und ihren Körper durch weite, bodenlange Umhänge verhüllen - seit April dieses Jahres hat die Polizei ihr ohnehin striktes Vorgehen gegen Verstöße weiter verschärft. Manche Teheranerin kommt mit einer einfachen Verwarnung davon, andere dagegen müssen in einen Minibus der Sittenpolizei mit verdunkelten Scheiben einsteigen.
An diesem Tag fällt den Polizistinnen am Vanak-Platz im Norden Teherans eine junge Frau wegen ihres modischen weißen Mantels und dem von einem kleinen Schal kaum bedeckten langen Haar ins Auge. Sie wird umgehend zum Einsteigen aufgefordert. Im Bus sitzt bereits eine andere Frau, ihr Weinen ist zu hören, bevor die Tür des Busses entschieden zugeschlagen wird: Die "Schlechtverhüllten" werden jetzt zum "Zentrum des Kampfes gegen das Laster" - aufs Kommissariat - gebracht. Halten die Sittenwächter das Vergehen für besonders schwer, kann der Vorgang an die Justiz weitergeleitet werden.
Geht es um junge Mädchen, werden die Eltern informiert und aufgefordert, einen züchtigen Mantel und einen großen Schal fürs Haar mitzubringen, wenn sie ihre Tochter abholen. Außerdem müssen sie schriftlich zusichern, dass das Mädchen sich in Zukunft anständig kleidet. "Wir wollen, dass unserer Worte bei den Leuten etwas bewirken", sagt eine junge Sittenwächterin im schwarzen Tschador, die ihren Namen nicht nennen will: "Unsere Methode, das sind Gespräche und Ratschläge - wir wenden keine Gewalt an." Sie setzten weder Schlagstöcke noch Tränengas ein, versichert sie - "schlimmstenfalls lassen wir sie in den Minibus einsteigen". Ihre Kollegin sagt: "Ich tue nur meine Pflicht, meine Arbeit entspricht den religiösen Lehren."
Das strenge Regiment, das in den Straßen Teherans herrscht, scheint erste Wirkung zu zeigen. Ein junges Mädchen überschlägt sich fast vor Entschuldigungen, als seine Hose für zu kurz und seine Strümpfe für zu durchsichtig befunden werden: "Ich habe extra Strümpfe angezogen, es tut mir so leid, wenn sie zu transparent sind!" Sie werde sich sofort umziehen, sagt sie und fügt noch ein "Entschuldigung" hinzu, bevor sie fragt: "Darf ich jetzt gehen?" Eine Passantin wird wütend und beschimpft die Sittenpolizistinnen: "Schande über euch - schaut doch, was ihr angerichtet habt!" Dabei habe die Polizei doch nun wirklich andere Probleme: "Kümmert Euch lieber um die Verkehrsstaus!"
Auch Männer sind im Iran längst ins Visier der Hüter der Kleidungsmoral geraten. Im Iran beliebte Trends wie westliche Haarschnitte, Make-up für Männer und das Färben und Zupfen der Augenbrauen sind inzwischen ebenfalls verboten. Eine alte Frau, selbst tief verhüllt in ihrem Tschador, murmelt: "Unsere jungen Leute haben gar keine Ruhe mehr - sie haben Angst, rauszugehen und von der Polizei festgenommen zu werden."
nach einem Bericht der Presseagentur AFP
In einer Resolution wird "tiefe Besorgnis” über die systematischen Menschenrechtsverletzungen im Iran zum Ausdruck gebracht, darunter über Folter, Prügelstrafen, Zwangsamputationen, Steinigungen und öffentliche Hinrichtungen.
Die UN-Vollversammlung hat sich heute in einer mit deutlicher Mehrheit verabschiedeten Resolution für einen weltweiten Stopp der Todesstrafe ausgesprochen.
Die Menschenrechts-Organisation Reporter ohne Grenzen (RoG) hat am Dienstag die Behörden Irans kritisiert, die eine massive Offensive gegen Internetcafés gestartet haben sollen.