Suchen
Mohammed Fadai wird seit über vier Jahren in der iranischen Stadt Karaj in der Todeszelle festgehalten.
Er wurde mit 17 Jahren zum Tode verurteilt. Ihm wird zur Last gelegt, an einer Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen beteiligt gewesen zu sein, wobei einer der Jugendlichen zu Tode kam. Deshalb erhielt er nach dem fundamentalistischen „Vergeltungsgesetz“ die Todesstrafe.
Nach weltweiten Protesten wurde die Hinrichtung von Mohammed Fadai (21), die ursprünglich im April 2008 vollstreckt werden sollte, bisher viermal verschoben. Die Hohe Menschenrechtskommissarin der UNO und die EU hatten sich mehrmals für den jungen Mann eingesetzt. Im Iran und vielen anderen Ländern bemühen sich Menschenrechtler weiter um seine Rettung.
Mohammed Fadai schrieb den folgenden Brief kurz vor dem zweiten Hinrichtungstermin
Mohammed Fadai ist ein weiteres Opfer der Willkürjustiz im Iran. In vielen Fällen haben die jugendlichen Straftäter keinen oder nur unzureichenden Rechtsbeistand. Oft werden Geständnisse durch Folter erzwungen. Dies zeigt auch der folgende Brief von Mohammed Fadai.
In dem Brief beschreibt Mohammed Fadai zunächst, wie er freiwillig zur Polizeistation gegangen sei, um einen handgreiflichen Streit zu melden, dessen Zeuge er war und den er versucht habe zu stoppen. Nach seiner Zeugenaussage wurde er selbst gefangen gesetzt. Dazu schreibt er:
„Ich bin ein junger Mann von 21 Jahren. Ich war 16, als ich in das Gefängnis kam. Ein ganz normaler Jugendlicher mit allen kindlichen Träumen …
Diese Zeit im Polizeigefängnis war die schlimmste meines Lebens. Jede Nacht hatte ich Albträume. Ich wurde oft geschlagen und ausgepeitscht. Als sie mich an der Decke aufhängten, dachte ich, dass es jetzt aus ist mit meinem Leben. Zu jeder Zeit konnte irgendjemand, der gerade vorbeiging, mich treten und foltern. Bis ich eines Nachts zu ihnen sagte, jetzt kann ich nicht mehr, schreiben Sie, was Sie wollen, ich unterschreibe. Eine halbe Stunde später legten sie mir ein Schriftstück vor. Ohne dass ich wusste, was darin stand, zwangen sie mich zu unterschreiben. Gott ist mein Zeuge, dass ich keine Ahnung hatte, was ich da unterschrieb. Später stellte sich heraus, dass es das Geständnis eines Mordes war. Meine Eltern zogen daraufhin zwei Anwälte heran, die sich leider als Betrüger erwiesen …
Im April forderten sie mich auf, mein Testament zu machen - in der Nacht, bevor ich gehängt werden sollte. Ich wusste gar nicht, was ein „Testament“ ist. Als sie mir die Schlinge um den Hals zogen, schloss ich die Augen und rief Gottes Hilfe an. Ein paar Sekunden vor dem endgültigen Aufhängen wurde die Sache unterbrochen, weil sie herausgefunden hatten, dass meine Anwälte Betrüger waren. Als ich die Stufen hinunterging, schöpfte ich wieder Hoffnung und dachte: Jetzt kann ich wieder zur Schule gehen!
Nun steht mir die Hinrichtung wieder kurz bevor. Mit der Angst vor dem Tod lebe ich nun seit Jahren. Seit Jahren jagt mir dieser Albtraum Schrecken ein. Schon vor Jahren haben sie meine Träume erhängt, lange bevor sie mich selbst aufhängen werden. Immer wieder muss ich meiner Mutter sagen: Dies ist vielleicht mein letzter Anruf bei Dir. Und es vergeht kein Tag, an dem meine Mutter nicht weint.“
Mohammad Fedai, im Todestrakt des Gefängnisses in Karaj