Suchen
Der Sohn der von der Steinigung bedrohten Iranerin Sakine Mohammadi-Ashtiani hat erneut an die internationale Gemeinschaft appelliert, Druck auf den Iran auszuüben.
"Ich bitte Sie, lassen Sie nicht nach", sagte Sajjad Ghaderzadeh in einem Interview mit der französischen Tageszeitung Libération vom 3. September. "Wenn Sie nicht da gewesen wären, wäre meine Mutter bereits tot." Mit einem ähnlichen Appell hatte sich der 22-Jährige bereits am Vortag im Online-Magazin stern.de an die Öffentlichkeit gewandt. Nur der anhaltende Druck auf den Iran habe bisher die Vollstreckung des Steinigungs-Urteils gegen Sakine Mohammadi-Ashtiani verhindert.

Die internationalen Proteste gegen die Steinigung von Sakine Mohammadi-Ashtiani weiten sich aus. Ihr Sohn Sajjad Ghaderzadeh dankte den Demonstranten.
Sajjad Ghaderzadeh hat seine Mutter zuletzt vor zwei Wochen im Gefängnis besuchen können. „Danach habe ich keinen Besuchstermin mehr bekommen. Vergangenen Donnerstag war ich wieder dort, durfte sie aber nicht sehen“, sagte er im Gespräch mit stern.de. Die Praxis der iranischen Behörden, Besuchstermine von Häftlingen willkürlich zu genehmigen oder platzen zu lassen, ist wohlbekannt.
Bei seinem Besuch fand er seine Mutter in einem sehr schlechten psychischen Zustand vor: „Sie hat Depressionen und nimmt Beruhigungstabletten.“ Neben der Todesangst tun die Haftbedingungen ein Übriges: „Ich war noch nie in ihrer Zelle, weiß aber aus Gesprächen mit ihr, dass es viele Häftlinge im Gefängnis gibt. Sie alle stehen ziemlich unter Druck, alles ist verboten und die Wärter sind sehr streng. Auch die hygienischen Bedingungen sind schlecht“, so Sajjad weiter.
Proteste als Lebensretter
Von den Behörden bekommt er zurzeit keine Auskünfte, wie es mit seiner Mutter weitergeht. Umso wichtiger sind die internationalen Proteste gegen die drohende Hinrichtung: „Sie haben bislang vor allem einen positiven Effekt gehabt: Meine Mutter lebt noch!“, gibt sich Sajjad überzeugt. Auch sie selbst sei sich dessen bewusst und sehr glücklich über die Proteste.
Er hofft, dass sich neben der Türkei und Brasilien weitere Regierungen in den Fall einschalten und so den Druck auf die iranischen Behörden zusätzlich erhöhen. Unterdessen forderte Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner von EU-Außenministerin Catherine Ashton eine gemeinsame Warnung der Europäischen Union an den Iran. In Italien bezogen vier Ministerinnen offen Stellung gegen "iranische Fundamentalisten".
Die 43-jährige Mohammadi-Ashtiani war von einem iranischen Tribunal wegen angeblichen „Ehebruchs“ zum Tode verurteilt worden. Verurteilt wurde sie aufgrund eines Beweismittels, dass es nur im Iran gibt: die sog. „Erkenntnis des Richters“, also dessen subjektive Meinung. Das Urteil soll durch Steinigung vollstreckt werden und hatte international für Empörung gesorgt. Der Vollzug des Urteils wurde im Juli aufgrund der weltweiten Proteste vorerst gestoppt.
nach Presseberichten