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28. Oktober 2008

Die elende Lage der Jugendlichen im Todestrakt

BBC-Bericht: 26 Minderjährige in den letzten beiden Jahren im Iran hingerichtet

Mohammad MostafaiMohammad Mostafaie hat eine mühselige Aufgabe, die wahrscheinlich einzigartig in der Welt ist. Er ist der Verteidiger von 25 jungen Leuten, die alle zum Tode verurteilt wurden. Die Akten stapeln sich auf seinem Schreibtisch. Seine jungen Mandanten schauen alle ausdruckslos aus den Passphotos, die er vor sich ausbreitet.

Das ist der Iran mit den meisten Hinrichtrungen von Jugendlichen weltweit. Er ist eines der verbleibenden Länder, die immer noch die Todesstrafe für Kinder verhängen, für Straftaten, die im Alter unter 18 Jahren begangen wurden.
Niemand kennt die genaue Anzahl der hingerichteten Jugendlichen in den letzten Jahren. Internationale Menschenrechtsgruppen sprechen von mindestens sechs, die allein im Jahr 2008 getötet wurden. Mohammad Mostafaie berichtet, dass 26 Jugendliche in den letzten beiden Jahren hingerichtet wurden. Für mehr als 120 ist dies für die allernächste Zeit eine reale Bedrohung.

 

Todesurteil mit 15 Jahren

Mostafa NaghdiEtwa im Fall von Mostafa Naqdi. Seine Mutter Shahnaz erzählt von ihm, dass er ein guter Muslim sei, ein idealer Sohn, der die Schule verließ und seine ganze Zeit mit Arbeit zur Unterstützung seiner Angehörigen verbrachte.
Eines Tages im Jahr 2004 fuhr er mit dem Motorrad in einem Gebiet, das Teheran Pars genannt wird, und hielt vor einer Schule an. Kinder strömten vom Schulgelände und eines von ihnen schnappte sich den Zündschlüssel. Es sollte ein dummer Streich sein. Aber nun brach eine Prügelei aus, die außer Kontrolle geriet.

Mostafa sagt, er habe nach einem Gegenstand gegriffen und damit auf einen anderen Jungen eingeschlagen, der ihn festhielt. Unglücklicherweise drang der Gegenstand bei dem Schlag in die Lunge des anderen Jungen, Massoud mit Namen. Dieser starb noch am selben Nachmittag.

Mostafa hat vielleicht einen Totschlag begangen, vielleicht war es aber auch Notwehr. Auf jeden Fall war er gerade mal 15 Jahre alt zu jener Zeit. Jetzt aber muss er mit seiner Hinrichtung rechnen.

Seine Mutter ist verzweifelt und kaum noch ihrer Sinne mächtig. "Eine solche Hinrichtung ist angemessen für jemanden in meinem Alter, aber nicht für einen 15-jährigen Jungen, der zwischen gut und böse nicht so unterscheiden kann", sagt sie. "Wie kann man von einem Jugendlichen, der sich mitten in einer Prügelei befindet, erwarten, dass er noch begreift, was gerade vor sicht geht?"

Mit genau dieser Art von Fällen schlägt sich Mohammad Mostafaie die ganze Zeit herum. Seiner Ansicht nach hatte kein einziger seiner 25 Mandanten die Absicht, einen Mord zu begehen.

„Es sind keine Kriminellen“

Minderjährige"Alle diese Straftaten wurden nicht mit Absicht begangen," erläutert er. "Ich habe mich mit ihnen allen ausführlich unterhalten. Sie erzählen von ihrer Kindheit und was sie seitdem alles erlebt haben. Wenn man mit ihnen spricht, so findet sich kein Anzeichen von verbrecherischer Neigung in ihren Mienen und in dem, was sie denken.“

„Sie können nicht begreifen, dass sie gehängt werden sollen“, so der Rechtsanwalt. „Es tut ihnen leid, was geschehen ist. Die meisten derjenigen, die von ihnen getötet wurden, waren größer und stärker als sie. Es war der blanke Schrecken, der sie dazu brachte, zu töten."

Laut Mohammad Mostafaie hatten die Kinder keinen Rechtsbeistand, als sie festgenommen wurden. Sie machen Aussagen, die ihnen schaden, sagt er. Manchmal werden sie überrumpelt und zu Geständnissen gebracht. Man stellt sie vor Gerichte für Erwachsene, die mit der Behandlung von Fällen von Jugendlichen nicht vertraut sind.

Der Anwalt schildert, dass einer seiner jungen Mandanten hingerichtet wurde, ohne irgendjemanden davon in Kenntnis zu setzen, Die Eltern wurden erst benachrichtigt, als ihr Sohn schon tot war. Niemand dachte daran, ein letztes Zusammentreffen zwischen ihnen und ihrem Sohn zu ermöglichen.

Mohammad Mostafaie glaubt, dass die meisten Iraner nicht dafür sind, die Todesstrafe für Jugendliche zu verhängen. "Es ist interessant, die Reaktionen zu beobachten, wenn ich den Menschen etwas über diese Kinder erzähle oder wenn ich Informationen an Zeitungen weitergebe", berichtet er. "Die Leute wollen nicht, dass solche Straftäter hingerichtet werden. Es schmerzt sie, wenn sie sehen, wie sie hingerichtet werden. Es gibt viele, viele Menschen, die sagen, man solle mit diesen Hinrichtungen um jeden Preis aufhören."

Die iranische Regierung kündigte vor kurzem an, dass die Hinrichtung von Kindern gestoppt werden solle. Aber nur wenige Tage später erklärte ein Sprecher, dass Tötungsdelikte darin nicht eingeschlossen seien, die aber den allergrößten Teil der Todesstrafen betreffen. Wie ein Sprecher des Justizministeriums mitteilte, sind solche Fälle rechtstechnisch nicht als Vollzug der Todesstrafe, sondern als private Vergeltung nach dem Talionsprinzip anzusehen, die das islamische Recht zulässt. Dagegen könne die Islamische Republik nichts tun.

Einige Menschenrechtsaktivisten glauben, dass die irreführende Ankündigung ein Versuch seitens des Iran gewesen sei, Einfluss auf die Debatten in der UNO zu nehmen. Dort wird zur Zeit die jährliche Diskussion über die Menschenrechtslage im Iran geführt. Der Iran versucht damit, nicht gänzlich in den Ruf zu geraten, dass sein Verhalten jegliche Maßstäbe zivilisierter Gesellschaften verletzt.

Der Iran hat die Internationale Konvention über die Rechte von Kindern unterzeichnet und ratifiziert, die ausdrücklich solche Hinrichtungen verbietet. Aber er hat den Vorbehalt gemacht, die Regierung fühle sich an keine Vorschriften gebunden, die gegen das islamische Recht verstoßen.

nach einem Bericht in BBC NEWS

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