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01. August 2018

Christenverfolgung im Iran: Pastor Youcef Nadarkhani ins Evin-Gefängnis verschleppt

Die gewaltsame Verhaftung des international bekannten Pastors Youcef Nadarkhani und neue Hafturteile gegen Christen sind Teil einer Verfolgungskampagne des islamistischen Regimes im Iran, die sich besonders gegen Christen muslimischer Herkunft richtet.

Wie Menschenrechtsgruppen berichten, wurde der iranische Pastor Youcef Nadarkhani am 22. Juli in seiner Heimatstadt Rasht im Nordiran verhaftet und in das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran verschleppt. Bei der Razzia in seinem Wohnhaus gingen Regimepolizisten mit brutaler Gewalt vor und schlugen den Pastor und seinen 15-jährigen Sohn Daniel. Menschenrechtler fordern die sofortige Freilassung des protestantischen Pastors, der allein deshalb in Haft ist, weil er von seinem Menschenrecht auf Religionsfreiheit Gebrauch gemacht hat.

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Youcef Nadarkhani (im Bild 2.v.l.) sowie drei Mitglieder seiner Gemeinde, Mohammadreza Omidi, Yasser Mossayebzadeh and Saheb Fadaie, sind ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben.

Die vier Männer wurden 2017 wegen angeblicher „Gefährdung der Staatssicherheit“ vor Gericht gestellt. Der tatsächliche Grund war ihr Übertritt zum Christentum und ihre aktive Mitarbeit in Hausgemeinden. Im Juli 2017 wurden sie zu jeweils zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nadarkhani und Omidi wurden außerdem mit zwei Jahren Verbannung nach der Haft bestraft. Die Verbannungsorte liegen im äußersten Süden des Iran, ca. 2000 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt.

Die vier Christen legten dann Berufung gegen die Urteile ein und erfuhren Anfang Mai 2018, dass das Berufungsgericht die Urteile vom Juli 2017 bestätigt habe. Damit droht den vier Männern, allein wegen ihres Glaubens 10 Jahre lang eingesperrt zu werden.

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Pastor Youcef Nadarkhani und seine Frau Tina wurden wegen ihres Glaubens schon mehrfach bedroht, verhaftet und vor Gericht gestellt.

Pastor Nadarkhani wurde weltweit bekannt, als ein Revolutionsgericht ihn im Jahre 2010 wegen „Abfall vom Islam“ zum Tode verurteilte. Das hatte eine internationale Protestwelle ausgelöst. 2012 konnte Nadarkhani das Gefängnis verlassen, war aber zwischenzeitlich immer wieder inhaftiert und drangsaliert worden, weil er seine Gemeindearbeit nicht aufgab.

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Unterdessen wurden aus Teheran weitere Hafturteile gegen Christen gemeldet. Im Juli wurden die beiden christlichen Gemeindemitglieder Ramil Bet Tamraz (Bild links) und Amir Saman Dashti von einem Teheraner Revolutionsgericht zu jeweils vier Monaten Haft verurteilt, weil sie in Hausgemeinden aktiv sind. Beide haben Berufung gegen die Urteile eingelegt.

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Pastor Victor Bet-Tamraz und seine Frau Shamiram Isavi werden seit Jahren von Teheraner Regime verfolgt.

Ramiel Bet-Tamraz ist der Sohn von Pastor Victor Bet-Tamraz, der bereits im Juli 2017 von einem Revolutionsgericht wegen Verbreitung des Evangeliums zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde. Pastor Victor und seine Familie werden seit Jahren vom Teheraner Regime verfolgt. Der Pastor hatte die Pfingstlich-Assyrische Kirche von Teheran geleitet, bis sie im Jahre 2009 vom Regime geschlossen wurde. Pastor Victors Frau, die Christin Shamiram Isavi, wurde am 6. Januar 2018 von einem Revolutionsgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ihr wird „Gefährdung der Staatssicherheit“ vorgeworfen, weil sie an ausländischen Seminaren zu christlichen Themen teilgenommen hat und in der Hausgemeinde ihres Ehemannes aktiv ist. Pastor Victor Bet-Tamraz und seine Frau sind noch auf freiem Fuß, weil die Berufungsverfahren noch nicht abgeschlossen sind.

Die neuen Urteile gegen Christen sind Teil einer Verfolgungskampagne des islamistischen Regimes im Iran, die sich besonders gegen Christen muslimischer Herkunft richtet. Das Regime verschärft – unter Missachtung seiner völkerrechtlichen Verpflichtungen – die Unterdrückung der religiösen Minderheiten. Der Iran hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert, der auch Religionsfreiheit garantiert. Sie beinhaltet das Recht, den eigenen Glauben öffentlich zu bekennen und die Religion zu wechseln. Der Iran zählt zu den Staaten, die Christen am stärksten verfolgen.

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