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20. Oktober 2018

Landesweiter Lehrer-Streik im Iran: Zivilcourage gegen Unterdrückung

Im Iran haben Lehrerinnen und Lehrer mit landesweiten Arbeitsniederlegungen für soziale Gerechtigkeit und gegen Unterdrückung und Meinungskontrolle in Bildungseinrichtungen protestiert. Sie forderten die Freilassung von inhaftierten Kollegen und warfen dem Teheraner Regime Machtmissbrauch, Inkompetenz und Korruption vor.

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Am 14. und 15. Oktober sind Lehrerinnen und Lehrer in über 60 Städten in 23 iranischen Provinzen in den Streik getreten. Sie weigerten sich, in den Unterricht zu gehen, und versammelten sich in den Lehrerzimmern, um für angemessene Gehälter und gegen die Unterdrückung und Meinungskontrolle in iranischen Bildungseinrichtungen zu protestieren.

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Die Lehrer forderten gleichzeitig die Freilassung von inhaftierten Kollegen. Zahlreiche Lehrer sind im Iran wegen ihres menschenrechtlichen und gewerkschaftlichen Engagements in Haft. Unter ihnen ist der Berufsschullehrer Mohammad Habibi, der dem Vorstand der Teheraner Lehrergewerkschaft angehört. Er wurde im August 2018 von einem Revolutionsgericht in Teheran wegen seines Engagements für soziale Gerechtigkeit und Bürgerrechte zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Teheraner Lehrerinnen und Lehrer fordern die Freilassung aller unrechtmäßig inhaftierten Lehrer, darunter der im Evin-Gefängnis festgehaltenen Lehrer Mohammad Habibi, Esmail Abdi und Mahmoud Beheshti-Langroudi.

Zu dem Streik hatten landesweit mehrere Lehrerverbände aufgerufen. In sozialen Netzwerken wurden viele Fotos von Lehrerinnen und Lehrern gepostet, die in Schulen ihre Forderungen auf Plakaten vorzeigten wie etwa „Schluss mit der Diskriminierung“ und „Lehrer gehören nicht ins Gefängnis“.

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Mit den Protesten wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Gehälter der Lehrer im Iran unter der Armutsgrenze liegen. Viele Lehrer sind gezwungen, Nebenjobs anzunehmen, um ihre Familien zu ernähren. Die Streikenden forderten angemessene Gehälter und Krankenversicherungen für alle Lehrer sowie Arbeitsplatzsicherheit.

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Außerdem warfen die streikenden Lehrer dem Regime Machtmissbrauch, Inkompetenz, Korruption und Unterdrückung vor und protestierten dagegen, dass die Förderung der Schulausbildung im Iran seit Jahren vernachlässigt wird. Dies habe dazu geführt, dass viele Schulen aufgrund des Mangels an Lehrkräften und Finanzen keinen angemessenen Unterricht mehr durchführen könnten. Die Lehrer forderten auch das Ende der Diskriminierungen innerhalb des Bildungssystems, durch die vor allem ethnische und religiöse Minderheiten sowie Mädchen benachteiligt werden.

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Mit den Arbeitsniederlegungen demonstrierten die Lehrkräfte außerdem für das Recht, sich in vom Staat unabhängigen Verbänden und Gewerkschaften organisieren zu dürfen. Im Iran sind unabhängige Gewerkschaften nicht anerkannt. Ihre Mitglieder werden verfolgt, vor Gericht gestellt und zu langen Haftstrafen verurteilt.

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Im Aufruf zum Streik warfen die iranischen Lehrerverbände dem Regime vor, zu sehr damit beschäftigt zu sein, an der Macht zu bleiben, und nichts zu unternehmen, um die Lage der Lehrer und der Schüler zu verbessern.

In dem Aufruf heißt es u.a. „Die iranische Regierung und das Parlament haben sich um die Sorgen der Lehrer über ihre sich verschlechternden Lebensbedingungen und den Verfall des Bildungssystems nicht gekümmert. Daher ist es nun notwendig, gegen die Zustände zu protestieren. Wir alle haben den Eindruck, dass das Ministerium für Bildung, welches für die Bildung von Millionen Menschen zuständig ist, weder ein praktisches Programm noch eine Vision hat, wie unsere Bildungsinfrastruktur verbessert werden soll. Anstatt die Qualität der Bildung und die Lebensbedingungen der Lehrer zu verbessern, ist das Ministerium eher bemüht, die Bildung immer teurer zu machen und die Lehrer immer mehr verarmen zu lassen.“

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„Wir rufen zum Protest auf“, so die Lehrerverbände weiter, „weil die Lehrer unter solchen Bedingungen nicht mehr unterrichten können. Wir rufen die Schuldirektoren auf, sich den Protesten anzuschließen. Wir warnen die Sicherheitskräfte davor, die Lehrer zu verfolgen, die an den Protesten teilnehmen. Wir haben bereits Verhaftungen erleben müssen, und mehrere unserer Kollegen sind zurzeit in Haft. Wir fordern, dass die Waffen der Unterdrückung schweigen.“

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Das Teheraner Regime reagierte mit Repression auf den Streik der Lehrkräfte. Unter den vor oder während des Streiks Verhafteten sind (im Bild v.l.n.r.) der Lehrer und Schriftsteller Abdolreza Ghanbari, der Lehrer und Bürgerrechtler Abbas Vahedian und Mohammad-Reza Ramezanzadeh, der dem Vorstand des Lehrerverbandes der nordostiranischen Provinz Khorassan angehört.

Bereits im Mai 2018 hatten Lehrkräfte in über 30 iranischen Städten Protestkundgebungen mit ähnlichen Forderungen durchgeführt. Mehrere Kundgebungsteilnehmer wurden damals verhaftet und zu Gefängnisstrafen und Auspeitschungen verurteilt.

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Im Oktober wurde aus verschiedenen Städten berichtet, dass sich auch Schülerinnen und Schüler dem Streik angeschlossen haben, um die Forderungen der Lehrer zu unterstützen.

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An mehreren iranischen Hochschulen haben sich Studentinnen und Studenten mit den Forderungen der streikenden Lehrer solidarisch erklärt, darunter an der Alame-Tabatabai-Hochschule und an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Teheran.

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