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16. Februar 2019

Teheran: Inhaftierter Mediziner in Lebensgefahr

Der Gesundheitszustand des iranischen Wissenschaftlers Ahmadreza Djalali verschlechtert sich lebensbedrohlich. Er wurde im Iran zum Tode verurteilt, weil er sich geweigert hatte, für den iranischen Geheimdienst zu spionieren.

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Vida Mehran-Nia, die Ehefrau des im Iran inhaftierten Mediziners Dr. Ahmadreza Djalali, hat erneut an die internationalen Menschenrechtsorganisationen appelliert, sich für die Freilassung ihres Mannes einzusetzen. Der Gesundheitszustand ihres Mannes sei lebensbedrohlich.

Ahmadreza Djalali, so der Bericht seiner Frau, sei in der Gefangenschaft schwer erkrankt. Seit seiner Inhaftierung im April 2016 habe er erheblich an Körpergewicht verloren und wiege nur noch knapp über 50 Kilo. Im November 2018 habe er sich in einem Teheraner Krankenhaus einer Not-Operation unterzogen, wurde jedoch schon einen Tag später wieder ins Gefängnis zurückgebracht, wo er nur unzureichend behandelt wird. Vor kurzem wurde Blutarmut bei dem Gefangenen festgestellt. Die notwendige Behandlung in einem Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses wird ihm jedoch von der Gefängnisleitung verweigert.

Die Justiz und die Gefängnisbehörden im Iran verweigern politischen Gefangenen systematisch den Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung. Dies geschieht mit grausamem Kalkül, um politische Gefangene zu bestrafen oder um sie zu „Geständnissen“ und „Reuebekundungen“ zu zwingen. Die Gesundheit von Gefangenen wird vom Teheraner Regime routinemäßig als Druckmittel eingesetzt. Das Leben dieser Gefangenen wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Den Betroffenen drohen chronische Gesundheitsschäden und bleibende Behinderungen.

Der 46-jährige Ahmadreza Djalali, der seit Jahren mit seiner Familie in Schweden wohnte, war Forscher und Dozent für Notfallmedizin an europäischen Universitäten. Er hat am schwedischen Karolinska-Institut sowie an Universitäten in Italien und Belgien gearbeitet.

Seit Ende April 2016 wird er unrechtmäßig im Teheraner Evin-Gefängnis festgehalten. Die Justiz des iranischen Regimes behauptet, ohne Beweise dafür vorzulegen, Ahmadreza Djalali habe für Israel spioniert. Dafür wurde er im Oktober 2017 von einem Revolutionsgericht zum Tode verurteilt. Über die von ihm eingelegte Berufung gegen dieses Urteil ist noch nicht entschieden.

Ahmadreza Djalali weist den Vorwurf der Spionage mit Nachdruck zurück, der konstruiert worden sei, um ihn zu bestrafen. Der wahre Grund für seine Verurteilung sei, dass er sich geweigert habe, für den iranischen Geheimdienst zu spionieren. In einem Brief enthüllte der Mediziner, dass er im Jahre 2014 vom Geheimdienst des Teheraner Regimes aufgefordert worden sei, diesem geheime Informationen aus EU-Ländern zukommen zu lassen, darunter Informationen über die Abwehr-Vorkehrungen und -Programme dieser Länder gegen Terroranschläge und Angriffe mit Massenvernichtungswaffen, geheime Operationspläne und Forschungsprojekte im Zusammenhang mit Terrorismus und Krisensituationen.

Ahmadreza Djalali berichtete, er habe dies kategorisch abgelehnt und betont, dass er ein Wissenschaftler und kein Spion sei. Seine spätere Verhaftung und Verurteilung seien Vergeltungsmaßnahmen des iranischen Geheimdienstes.

Menschenrechtler weisen darauf hin, dass dies mit Fällen anderer iranischer Wissenschaftler mit Kontakten zu westlichen Universitäten übereinstimmt, die nach konstruierten Beschuldigungen zu Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie nicht bereit waren, mit dem Geheimdienst Irans zusammenzuarbeiten. So war der Physiker Omid Kokabee fünf Jahre lang in Teheran in Haft, weil er nicht bereit war, am Atomwaffenprogramm des Teheraner Regimes mitzuarbeiten. Der Wirtschaftswissenschaftler Hamid Babaei wurde im Iran zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er es ablehnte, seine Studienkollegen in Belgien auszuspionieren.

Bereits im Dezember 2018 haben 121 Nobelpreisträger in einem offenen Brief auf den sich verschlechternden Gesundheitszustand von Ahmadreza Djalali hingewiesen und die Freilassung des inhaftierten Wissenschaftlers gefordert.

Auch die deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat mehrfach die sofortige Aufhebung der Todesstrafe sowie die bedingungslose Freilassung von Ahmadreza Djalali gefordert. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Horst Hippler, setzte sich gegenüber der iranischen Staatsführung schon im Februar 2018 dafür ein, dem inhaftierten Djalali umgehend Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewähren. Hippler mahnte den Iran, die Menschenrechte zu wahren, die akademischen Freiheiten zu schützen und die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit zu würdigen.

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