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14. Mai 2019

Verfolgung von Christen im Iran: "Sie leben in ständiger Angst"

Die iranische Christin Dabrina Bet-Tamraz berichtet über die Verfolgung ihrer Familie. Zusammen mit Menschenrechtlern ruft sie die Weltgemeinschaft zum Einsatz für die im Iran verfolgten Christen auf. Internationale Aufmerksamkeit und massiver öffentlicher Druck sind notwendig, um zu verhindern, dass Christen wegen ihres Glaubens jahrelang eingesperrt werden.

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Die in der Schweiz lebende iranische Christin Dabrina Bet-Tamraz (Bild) macht auf die Verfolgung ihrer Familie im Iran aufmerksam. Ihren Eltern drohen allein wegen ihres christlichen Glaubens zehn Jahre Haft. Auch ihr Bruder wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Dabrina Bet-Tamraz beschrieb kürzlich in einem Interview die Verfolgung und das Leid, dem ihre Familie ausgesetzt ist.

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Pastor Victor Bet-Tamraz und seine Frau Shamiram Issavi werden seit Jahren vom Teheraner Regime verfolgt.

Dabrinas Vater, Pastor Victor Bet-Tamraz, leidet seit Jahren unter Repressalien vonseiten des Teheraner Regimes. Der Pastor hatte die Pfingstlich-Assyrische Kirche von Teheran geleitet, bis sie im Jahre 2009 vom Regime geschlossen wurde. Am 26.12.2014 wurde Pastor Victor festgenommen, als er zuhause zusammen mit anderen Christen Weihnachten feierte. Nach mehreren Monaten Haft im Teheraner Evin-Gefängnis wurde er gegen Kaution wieder freigelassen. Im Juli 2017 wurde er dann von einem Revolutionsgericht wegen Verbreitung des Evangeliums zu 10 Jahren Haft verurteilt.

Auch Dabrinas Mutter, Shamiram Issavi, wurde im Januar 2018 von einem Revolutionsgericht in Teheran zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ihr wird „Gefährdung der Staatssicherheit“ vorgeworfen, weil sie an ausländischen Seminaren zu christlichen Themen teilgenommen hat und in der Hausgemeinde ihres Ehemannes aktiv ist.

Dabrinas Eltern sind zurzeit gegen Hinterlegung von Kautionen noch auf freiem Fuß. Ihre Berufungsverfahren sind noch nicht abgeschlossen. Menschenrechtler befürchten, dass die Berufungsrichter die Hafturteile gegen die Christen bestätigen werden, da die Regime-Justiz als Unterdrückungsinstrument agiert und das islamistische Regime alles daran setzt, die Verbreitung des christlichen Glaubens im Iran zu verhindern.

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Dabrinas Bruder Ramil Bet-Tamraz (Bild) wurde im Juli 2018 wegen seiner Arbeit in der Hausgemeinde seines Vaters zu vier Monaten Haft verurteilt.

Dabrina Bet-Tamraz, die selbst im Iran mehrmals in Haft war und in der Schweiz Zuflucht gefunden hat, hat bereits 2018 vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf über die Verfolgung der Christen im Iran berichtet und die UNO aufgerufen, einzugreifen, damit die „falschen und grundlosen Anschuldigungen“ gegen ihren Vater, ihre Mutter, ihren Bruder und andere Christen und christliche Konvertiten im Iran aufgehoben werden.

Über die aktuelle Lage ihrer Eltern berichtet die Christin:

„Sie versuchen zu überleben, ohne zu wissen was als nächstes passieren wird, ohne in der Lage zu sein, Pläne für ihre Zukunft zu machen. Ihr Leben ist wie auf Eis gelegt.

Sie leben in ständiger Angst, machtlos, haben keine Sicherheit, auch nicht in ihrem eigenen Haus. Sie sind sich der Gefahren bewusst, können aber nichts tun, um sich selbst zu schützen. Sie werden beobachtet, kontrolliert und abgehört; es ist ihr Alltag. Jedes Mal, wenn sie einen Anruf erhalten, sind sie voller Angst: Es könnte sein, dass iranische Geheimdienstler sie zu einer Verhörsitzung oder einer Gerichtsverhandlung vorladen.

Das ganze Vermögen meines Vaters wurde eingefroren. Er hat jetzt kein Einkommen und kann keine staatliche Stelle annehmen. Er ist 65 Jahre alt und lebt von einer Rente, die nicht einmal ausreicht, um für Essen zu bezahlen.

Außerdem wurde mein Bruder von seinen Vernehmern ständig beschuldigt, den Dienst meines Vaters weiterzuführen – die Bibel zu unterrichten und zu predigen, da mein Vater dazu nicht mehr in der Lage ist.“

Im Februar 2018 haben sich vier Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen zutiefst besorgt über die langen Haftstrafen, die gegen Pastor Victor Bet-Tamraz und andere Christen verhängt wurden, geäußert. Mit diesen Urteilen habe das Teheraner Regime gegen seine internationalen Verpflichtungen aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und dem Internationalen Pakt über Bürgerliche und Politische Rechte verstoßen.

Im Iran, so die UN-Experten, zeige sich ein „beunruhigendes Muster, wonach Personen wegen ihrer Religion oder ihrer Überzeugungen attackiert werden, in diesem Fall, weil sie einer religiösen Minderheit im Land angehören. Angehörige der christlichen Minderheit im Iran, insbesondere diejenigen, die zum christlichen Glauben übergetreten sind, sind schwerer Diskriminierung und religiöser Verfolgung ausgesetzt.”

Die UN-Experten forderten das Teheraner Regime auf, seinen Verpflichtungen gemäß den internationalen Menschenrechtsgesetzen nachzukommen. Außerdem forderten sie die sofortige und bedingungslose Freilassung derjenigen, die wegen Ausübung ihres Rechts auf Religions- und Glaubensfreiheit im Iran in Haft sind.

Die Menschenrechtsorganisation International Christian Concern beschreibt die systematische Unterdrückung im Iran so: „Die Revolutionsgerichte haben sich zu einer gut funktionierenden Unterdrückungsmaschinerie entwickelt, die ungestraft unter staatlichem Schutz arbeitet. Die Gerichte sind eng mit dem Geheimdienst verflochten. Den Richtern stehen Revolutionsgardisten und ein Netz von Gefängnissen zur Verfügung, in denen Christen gefoltert und verhört werden.“

Menschenrechtler rufen die Weltgemeinschaft zum Einsatz für die im Iran verfolgten Christen auf. Internationale Aufmerksamkeit und massiver öffentlicher Druck sind notwendig, um zu verhindern, dass Christen wegen ihres Glaubens jahrelang eingesperrt werden.

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