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29. November 2019

Regime-Gewalt gegen Bürgerproteste im Iran: Kinder und Jugendliche unter den Todesopfern

Videos und Augenzeugenberichte belegen das entsetzliche Ausmaß der Unterdrückung im Iran. In vielen Städten haben Regime-Truppen Ansammlungen friedlicher Demonstranten mit scharfer Munition unter Beschuss genommen. Dabei wurden auch Kinder und Jugendliche getötet.

Seit Mitte November geht das Teheraner Regime mit äußerst brutaler Gewalt vor, um Bürgerproteste im ganzen Land niederzuschlagen. Menschenrechtsgruppen berichten von mehr als 450 getöteten Demonstranten. Die Anzahl der Verletzten wird auf mehrere Tausend geschätzt. Aus dem ganzen Iran werden Massenverhaftungen gemeldet.

Videos und Augenzeugenberichte belegen das entsetzliche Ausmaß der Unterdrückung. In vielen iranischen Städten haben Regime-Truppen Ansammlungen friedlicher Demonstranten mit scharfer Munition unter Beschuss genommen. Dabei wurden auch Kinder und Jugendliche getötet.

Iranische Menschenrechtler veröffentlichen täglich glaubhafte Informationen über Demonstranten, die seit Mitte November von Regime-Truppen getötet wurden. Familienangehörige haben Fotos der Opfer oder Todesanzeigen zur Verfügung gestellt. Hier einige dokumentierte Fälle von Kindern und Jugendlichen, die unter den Todesopfern sind:

Nikta-Esfandani

Nikta Esfandani (14) wurde am 16. November 2019 auf der Sattarkhan-Straße in Teheran erschossen. Ihre Familie suchte drei Tage lang verzweifelt nach der Vermissten und fand ihren Leichnam dann in einer Leichenhalle.

Amir-Reza-Abdollahi

Amir Reza Abdollahi (13) wurde am 16. November 2019 im Teheraner Stadtteil Eslamshahr erschossen.

Reza-Neisi

Reza Neisi (16) wurde am 16. November 2019 in der Stadt Ahwaz (Südwest-Iran) erschossen.

Ebrahim-Moradi

Ebrahim Moradi (16) wurde in der Stadt Javanrood (westiranische Provinz Kermanshah) erschossen.

Pezhman-Qolipour-Malati

Pezhman Qolipour Malati (17) wurde in der Stadt Karaj (westlich von Teheran) erschossen.

Mohammad-Berihi

Mohammad Berihi (17) wurde am 15. November 2019 in der Stadt Ahwaz (Südwest-Iran) erschossen.

Sasan-Abdi-Vand

Sasan Abdi Vand (17) wurde in der Stadt Isfahan (Zentraliran) erschossen.

Hintergrund:

Am 15. November begannen im Iran landesweite Massenproteste gegen das Regime. In mehr als 170 iranischen Städten haben seither Bürgerinnen und Bürger mit großem Mut für Freiheit, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit demonstriert. Die Wut der Demonstranten richtet sich gegen die gesamte herrschende Diktatur.

Die Proteste begannen mit friedlichen Kundgebungen von Bürgerinnen und Bürgern, die sich vor Regierungsgebäuden und in den Innenstädten versammelten und verlangten, dass ihre Forderungen von den Staatsorganen angehört werden. Als Regime-Truppen begannen, brutal gegen die Demonstranten vorzugehen, schlugen einige Proteste in Gewalt um. Vielerorts wurde Gewalt auch von regimetreuen Schlägerbanden provoziert, die mit Motorrädern in die Menschenmengen hineinfuhren und mit Knüppeln auf die Demonstranten einschlugen.

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Auch unter den Verletzten sind zahlreiche Kinder und Jugendliche.

Obwohl das Internet im Iran immer noch größtenteils gesperrt ist, gelangen zahlreiche Berichte von Augenzeugen, Familienangehörigen von Opfern und iranischen Menschenrechtsaktivisten über die brutale Unterdrückung der Bürgerproteste nach außen. Die Berichte belegen, dass Regime-Truppen mit scharfer Munition gezielt auf Protestierende geschossen haben. Auch von Hubschraubern aus wurde in die Menschenmenge geschossen. Fliehende Demonstranten wurden von Gardisten und Regime-Milizen, die auf Hochhäusern in Stellung gegangen waren, in den Rücken geschossen. Andere Demonstranten wurden durch Kopfschüsse regelrecht hingerichtet.

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Shiraz (Südiran): Regime-Milizen auf Motorrädern gehen gegen Demonstranten vor.

Videos zeigen deutlich, dass bewaffnete Regime-Truppen auf den Straßen Hetzjagden auf Demonstranten durchgeführt und viele wehrlose Menschen auf brutalste Weise zusammengeschlagen haben. Augenzeugen berichten, dass Gardisten Leichen und Verletzte von Straßen und aus Krankenhäusern weggeschafft haben. Sie weigerten sich in vielen Fällen, die Leichen der Opfer an ihre Familien zu übergeben, oder sie zwangen die Familien, ihre Angehörigen in aller Eile und ohne eine unabhängig durchgeführte Autopsie zur Ermittlung der Todesursache zu begraben. Viele Familien sind weiter ohne Nachricht über das Schicksal von Angehörigen, die an den Demonstrationen teilgenommen haben und seither als vermisst gelten.

Menschenrechtsgruppen setzen sich dafür ein, dass die internationale Staaten-Gemeinschaft wirksame Maßnahmen ergreift, damit die Regime-Gewalt gegen friedliche Demonstranten im Iran ein Ende hat. Der UN-Sicherheitsrat muss die brutale Niederschlagung der Bürgerproteste verurteilen und das Teheraner Regime dafür zur Rechenschaft ziehen. Alle Gefangenen, die allein wegen ihrer Teilnahme an Bürgerproteten festgehalten werden, müssen unverzüglich freigelassen werden.

Amnesty International: Die Welt muss die tödliche Gewalt gegen Demonstranten im Iran aufs Schärfste verurteilen

mehr Informationen zur Unterdrückung der Bürgerproteste



11. Dezember 2019

EU verurteilt gewaltsame Unterdrückung der Bürgerproteste im Iran

Josep Borrell Fontelles, Außenbeauftragter der EU: "Für die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten ist die weit verbreitete und unverhältnismäßige Anwendung von Gewalt gegen gewaltlose Demonstranten inakzeptabel."

10. Dezember 2019

Menschenrechtskommissarin der UNO wirft dem Teheraner Regime gezielte Tötung von Demonstranten vor

Verheerende Bilanz am Internationalen Tag der Menschenrechte: Mit der blutigen Niederschlagung der Bürgerproteste im November hat die Teheraner Diktatur die Menschenrechte erneut mit Füßen getreten und ihre ganze Menschenverachtung demonstriert.

09. Dezember 2019

Iran: Studenten protestieren gegen die Unterdrückung

Studierende an verschiedenen iranischen Universitäten fordern, dass die Verantwortlichen für die Tötung von Demonstranten während der Bürgerproteste im November zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Sie fordern auch die Freilassung aller verhafteten Demonstranten und der anderen politischen Gefangenen.


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