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19. Juni 2020

Corona-Epidemie im Iran: Politische Gefangene in Gefahr

Trotz der erneuten Zunahme der Corona-Infektionen im Iran verweigert das Teheraner Regime den politischen Häftlingen die Freilassung, auch wenn sie aufgrund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen besonders gefährdet sind.

Der Iran wird zurzeit von einer zweiten Welle der Corona-Epidemie heimgesucht. Zu den besonders Betroffenen gehören die Häftlinge in den überfüllten Gefängnissen. Die Gefangenen, die unter menschenunwürdigen und unhygienischen Bedingungen leben müssen, sind einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Aus den Haftanstalten werden täglich neue Fälle von Infizierten gemeldet. Es gab bereits mehrere Todesfälle unter den Gefangenen.

Trotz eines weltweiten Aufrufs des UNO-Menschenrechtskommissariats, die politischen Gefangenen, die ohnehin zu Unrecht in Haft sind, angesichts der Corona-Krise freizulassen, verweigert das Teheraner Regime den politischen Häftlingen die Freilassung, auch wenn sie aufgrund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. Darüberhinaus wächst die Zahl der politischen Gefangenen täglich, da auch in diesen Pandemie-Zeiten immer wieder neue Inhaftierungen vorgenommen werden.

Inhaftierter Student an COVID-19 erkrankt

Ali-Younesi-150Der im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftierte Student Ali Younesi (Bild) hat sich in der Haft mit dem Corona-Virus infiziert. Sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend.

Ali Younesi war am 10. April in Teheran auf der Straße von Regime-Gardisten verhaftet und geschlagen worden. Er wurde dann mit blutigem Gesicht zur Durchsuchung seiner persönlichen Sachen nach Hause gebracht und anschließend an einen unbekannten Ort verschleppt.

Nach 26 Tagen, in denen seine Familie im Unklaren über den Verbleib Ali Younesis gelassen wurde, gab die Teheraner Justiz seine Inhaftierung offiziell bekannt. Das Regime wirft dem Studenten mit Hilfe von konstruierten Beschuldigungen „Gefährdung der Staatssicherheit“ und Kontakte zur Widerstandsbewegung gegen die Diktatur vor.

Der 20-jährige Ali Younesi studiert Informatik und Physik an der renommierten Sharif-Universität für Technologie in Teheran. Er gehört zu den hochbegabten Studenten, die in mehreren Wettbewerben ausgezeichnet wurden. 2018 gewann Younesi mit dem iranischen Team die Goldmedaille der Internationalen Astronomie-Olympiade.

Olympiade-400

Ali Younesi wurde fast zwei Monate lang in Isolationshaft festgehalten und dann in eine überfüllte Gemeinschaftszelle verlegt, die er sich mit sieben anderen Gefangenen teilen muss. Der Zugang zu einem Rechtsbeistand und Familienbesuche werden nicht zugelassen.

74-jährigem Gefangenen wird die Freilassung verweigert

Banazadeh-150Unter den politischen Gefangenen, die aufgrund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen in Falle der Ansteckung mit COVID-19 zu Risikogruppen gehören, ist der 74-jährige Geschäftsmann Mohammad Banazadeh (Bild). Er wird weiter im Gohardasht-Gefängnis in der Stadt Karaj nahe Teheran festgehalten, obwohl auch dort das Corona-Virus grassiert.

Mohammad Banazadeh setzt sich für die Menschenrechte ein und hat in den vergangenen Jahren humanitäre Hilfe für Familienangehörige von politischen Gefangenen geleistet. Aus diesem Grund war er bereits von 2009 bis 2014 in Haft.

Im Februar 2016 wurde er erneut festgenommen und befindet sich seither in Gefangenschaft. Im November 2017 wurde er von einem Regime-Gericht wegen seiner Menschenrechtsarbeit zu 11 Jahren Haft verurteilt.

Mohammad Banazadeh leidet an verschiedenen Krankheiten, die sich in der Haft verschlimmert haben. Es besteht der Verdacht auf eine Krebserkrankung, aber die Gefängnisleitung verweigert ihm die notwendige medizinische Behandlung in einer Klinik außerhalb des Gefängnisses und lässt auch eine temporäre Haftunterbrechung nicht zu. Durch das zusätzliche Infektionsrisiko besteht für den Gefangenen Lebensgefahr.

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