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02. Juni 2022

Christenverfolgung im Iran: Verhaftungen und Gefängnisstrafen

Trotz schlimmster Unterdrückung widersetzen sich die iranischen Christen standhaft dem Druck durch das Regime, das sie zwingen will, ihren Glauben zu ändern. Zu Pfingsten rufen wir zum Einsatz für die verfolgten christlichen Gemeinden auf. Weltweite Aufmerksamkeit und massiver öffentlicher Druck sind dringend notwendig, um die Christenverfolgung im Iran zu stoppen.

Christen in Bedrängnis: Die Regime-Justiz im Iran verfolgt Christen mit pauschalen Beschuldigungen wie „Propaganda gegen den Islam“ und „Gefährdung der Staatssicherheit“. Sie werden willkürlich verhaftet, gefoltert und zu langen Haftstrafen verurteilt, weil sie sich zu ihrem christlichen Glauben bekennen und mit anderen Christen in Hauskirchen zu Gottesdiensten zusammenkommen. Hier Beispiele:

Yousef-Nadarkhani-170Pastor Yousef Nadarkhani

Seit Juli 2018 unrechtmäßiger in Gefangenschaft

Der international bekannte Pastor Yousef Nadarkhani ist seit Juli 2018 im Teheraner Evin-Gefängnis in Haft. Vier Jahre nach seiner Festnahme wurde ihm im April 2022 gegen Zahlung einer Kaution zum ersten Mal eine zweiwöchige Haftunterbrechung gewährt, um seine im nordiranischen Rasht lebende Familie besuchen zu können. Der 44-jährige Familienvater war im Gefängnis mehrfach schwer erkrankt. Trotz zahlreicher Appelle, ihn dauerhaft freizulassen, musste er am 29. April 2022 wieder in das Evin-Gefängnis zurückkehren.

Der ehemalige Muslim Yousef Nadarkhani, der den christlichen Glauben angenommen und dann eine Hausgemeinde in Rasht geleitet hat, wurde im Jahre 2010 wegen „Apostasie“ zum Tode verurteilt und nur durch internationale Proteste vor der Hinrichtung gerettet. 2017 wurde der Pastor jedoch wieder vor Gericht gestellt und zu sechs Jahren Haft verurteilt.

avedian-120Anooshavan Avedian

zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt

Anooshavan Avedian gehört der armenisch-christlichen Gemeinde im Iran an. Am 11. April 2022 wurde er von einem Regime-Gericht in Teheran zu 10 Jahren Haft verurteilt. Der 60-jährige Familienvater wurde erstmals am 21. August 2020 verhaftet, als sich 18 Christen in seinem Haus zum Gottesdienst versammelt hatten.  Zusammen mit mehreren anderen Christen wurde er ins Evin-Gefängnis gebracht. Nach einem Monat Isolationshaft und Verhören wurde er gegen Zahlung einer Kaution vorläufig freigelassen. Anschließend wurde er wegen „Leitung einer christlichen Hausgemeinde“ und „Gefährdung der Staatssicherheit“ angeklagt und nach einem kurzen Gerichtsprozess im April 2022 zu der 10-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

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Ahmad Sarparast, Morteza Mashoodkari und Ayoob Poor-Rezazadeh

zu jeweils fünf Jahren Gefängnis verurteilt

Die ehemaligen Muslime Ahmad Sarparast, Morteza Mashoodkari und Ayoob Poor-Rezazadeh haben den christlichen Glauben angenommen und gehören einer christlichen Hausgemeinde in der nordiranischen Provinzhauptstadt Rasht an. Im April 2022 wurden sie allein wegen ihrer Teilnahme an Gebetstreffen der Hausgemeinde zu jeweils fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Sie haben Berufung gegen das Urteil eingelegt. Obwohl das Berufungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist, wurden die drei Christen am 8. Mai 2022 nach Razzien in ihren Wohnungen verhaftet. Sie werden im Lakan-Gefägnis der Stadt Rasht ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten.

Hintergrund:

Die wenigen persischsprachigen Kirchen, die es im Iran noch gibt, werden streng überwacht und dürfen weder Besucher noch neue Mitglieder aufnehmen. Die Kirchen ethnischer Minderheiten dürfen Gottesdienste nur in ihrer eigenen Sprache durchführen. Daher sind alle anderen persischsprachigen Christen, insbesondere ehemalige Muslime, die zum christlichen Glauben konvertiert sind, gezwungen, sich in ihren Häusern zum Gottesdienst zu treffen. Das Regime sieht solche Treffen jedoch als „Gefährdung der Staatssicherheit“ und verfolgt die Christen mit Schikanen, Razzien, Verhaftungen, Geld- und Gefängnisstrafen.

Im Jahr 2021 wurde die Repression im Iran durch neue islamistische Gesetze weiter verschärft. Dazu heißt es im Jahresbericht von Amnesty International vom März 2022: „Das Parlament höhlte das Recht auf Religions- und Glaubensfreiheit im Januar 2021 weiter aus, indem es zwei neue Paragrafen in das Strafgesetzbuch aufnahm, wonach die "Diffamierung staatlich anerkannter Religionen, iranischer Bevölkerungsgruppen und islamischer Glaubensrichtungen" sowie "abweichende erzieherische oder missionarische Aktivitäten, die dem Islam widersprechen" mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und/oder einer Geldstrafe geahndet werden können. Im Juli wurden drei Männer, die zum Christentum konvertiert waren, auf dieser Grundlage zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.“

Trotz schlimmster Unterdrückung widersetzen sich die iranischen Christen standhaft dem Druck durch das Regime, das sie zwingen will, ihren Glauben zu ändern. Wir rufen die internationale Gemeinschaft zum Einsatz für die verfolgten Christen auf. Weltweite Aufmerksamkeit und massiver öffentlicher Druck sind dringend notwendig, um die Christenverfolgung im Iran zu stoppen. Abschiebungen von Asylsuchenden, die konvertierte Christen sind, in den Iran müssen gestoppt werden, da ihnen dort ernste Gefahren für Leib und Leben drohen.

mehr Informationen zur Christenverfolgung im Iran



28. Juni 2022

IRAN - Gefangene in Gefahr: Monireh Arabshahi, Lehrerin und Frauenrechtsaktivistin

Menschenrechtler fordern die sofortige Freilassung der schwer erkrankten Lehrerin Monireh Arabshahi, die wegen ihres Einsatzes für Frauenrechte in Haft ist. Mit der vorsätzlichen Unterlassung medizinischer Hilfe verletzt das Teheraner Regime das Recht der Gefangenen auf Leben und Gesundheit.

25. Juni 2022

UN-Experten: Zivilgesellschaft im Iran ist gewaltsamer Unterdrückung ausgesetzt

Menschenrechtsexpertinnen und -Experten schlagen Alarm: Die Machthaber im Iran setzen exzessive Gewalt gegen friedliche Protestierende ein und verhindern jegliche Rechenschaft für die Gewaltanwendungen, die immer wieder Todesopfer fordern. Die Repression richtet sich besonders gegen Lehrkräfte und Gewerkschafter.

22. Juni 2022

Teheraner Regime verschärft die Unterdrückung der religiösen Minderheiten

Zunehmende Verfolgung der Religionsgemeinschaft der Bahai: In der südiranischen Stadt Shiras wurden 26 Bahai allein wegen ihres Glaubens zu insgesamt 85 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Angehörigen dieser religiösen Minderheit sind zahlreichen staatlichen Unterdrückungsmaßnahmen ausgesetzt. Das Teheraner Regime gehört zu den schlimmsten Verletzern des Menschenrechts auf Religionsfreiheit.


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