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21. Juni 2023

Iran: Religionsgemeinschaft der Bahá’í ist anhaltender Verfolgung und Gewalt ausgesetzt

Anlässlich des 40. Jahrestages der Hinrichtung von 10 iranischen Bahá’í-Frauen macht die internationale Bahá’í-Gemeinde darauf aufmerksam, dass diese religiöse Minderheit im Iran weiterhin schwersten Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückungsmaßnahmen ausgesetzt ist. Das Teheraner Regime gehört weltweit zu den schlimmsten Verletzern des Menschenrechts auf Religionsfreiheit.

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Am 18. Juni 1983 wurden zehn Frauen, die der religiösen Minderheit der Bahá'í angehörten, auf einem Platz der südiranischen Stadt Shiraz hingerichtet. Die Frauen waren im Herbst 1982 verhaftet worden. Im Adelabad-Gefängnis von Shiraz wurden sie brutal gefoltert, um sie zu zwingen, ihren Glauben zu widerrufen.

In einem Bericht der Online-Ausgabe der Deutschen Welle vom 17. Juni 2023 heißt es dazu u.a.:

Irans Bahá'í-Frauen: verfolgt, schikaniert, hingerichtet

Vor 40 Jahren ereignete sich in der Stadt Shiraz im Südiran eine der grausamsten Taten gegen die Bahá'í-Gemeinde im Iran. Am 18. Juni 1983 wurden zehn Frauen im Alter von 17 bis 57 Jahren öffentlich auf einem Platz gehängt. Eine nach der anderen. So mussten sie mit ansehen, wie ihre Mitgefangenen hingerichtet wurden bis sie selbst unter den Galgen kamen.

Ihr einziges "Verbrechen" bestand darin, der religiösen Minderheit der Bahá'í anzugehören. Sie hatten sich geweigert, ihrem Glauben abzuschwören. Die jüngste unter ihnen war die 17-jährige Mona Mahmoudnejad. Sie unterrichtete Bahá'í-Kinder, die nicht zur Schule gehen durften. Die Körper der Hingerichteten wurden ihren Familien nie übergeben, sodass sie weder angemessen Abschied nehmen noch sie gemäß ihren religiösen Ritualen bestatten konnten. Ähnliches geschah mit sechs Bahá'í-Männern, die zwei Nächte zuvor am selben Ort hingerichtet wurden und von denen einige Verwandte der zehn Frauen waren.

Hinrichtungen gestoppt - Verfolgung nicht

Seit der Islamischen Revolution von 1979 wurden im Iran über 200 Bahá'í hingerichtet. Die Hinrichtungen wurden erst nach internationalem Aufschrei gestoppt. Die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit ist für die Bahá'í im Iran von existenzieller Bedeutung, wie Jascha Noltenius, Beauftragter für Menschenrechtsfragen der Bahá'í-Gemeinde in Deutschland, in diesem Zusammenhang gegenüber der DW betont. Abgesehen von dem Hinrichtungstopp setzt sich die Verfolgung der Bahá'í im Iran aber bis heute fort.

"Bahá'í sind einer systematischen Verfolgung ausgesetzt, die sich in einer verbrieften Staatsdoktrin zeigt, ihre Entwicklung zu verhindern, ihre Wurzeln zu zerstören und ihnen Studium und Arbeit zu verweigern sowie in wiederkehrenden Verhaftungs- und Verurteilungswellen einzig wegen der Religionszugehörigkeit", klagt Noltenius. Er fügt hinzu: "Würde die internationale Presse nicht darüber berichten und würden Regierungen und Menschenrechtsorganisationen weltweit nicht die Gleichbehandlung von Bahá'i entsprechend völkerrechtsverbindlichen Verpflichtungen des Iran einfordern, so wäre die Existenz der größten religiösen nicht-muslimischen Minderheit im Iran gefährdet."

Die Bahá'í-Gemeinde im Iran ist mit etwa 300.000 Mitgliedern die größte religiöse Minderheit des Landes. Trotzdem werden sie im Gegensatz zu Christen, Juden und Zoroastriern in Artikel 13 der iranischen Verfassung nicht als anerkannte religiöse Minderheit geschützt.

Bahá'í als Menschen zweiter Klasse

Die Bahá'í-Gemeinde entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts im Iran als Abspaltung vom schiitischen Islam. Ihr Glaube fördert unter anderem die Gleichberechtigung der Geschlechter, was von konservativen Klerikern von Anfang an abgelehnt wurde. Die Verfolgung der progressiven Bahá'í im Iran begann bereits im 19. Jahrhundert und hat sich seit der Islamischen Revolution drastisch verschärft.

Die schiitischen Machthaber betrachten die Bahá'í als Abtrünnige und behandeln sie als Bürger zweiter Klasse. Sie werden willkürlich verhaftet und gefoltert. Ihr Eigentum wird beschlagnahmt. Ihr Zugang zu Bildung und Arbeitsplätzen ist stark eingeschränkt. Zudem sind ihre religiösen Institutionen verboten, ihre Aktivitäten werden überwacht und ihre Gemeinden regelmäßig von staatlichen Behörden schikaniert.

Verfolgung und Gewalt

Inmitten der brutalen Unterdrückung der landesweiten Proteste im Jahr 2022 hat sich der Druck auf die Bahá'í-Gemeinde weiter erhöht. Am 10. Juni bestätigte Negar Sabet, die Tochter der Dichterin Mahvash Sabet, in einem Interview mit dem in den USA sitzenden TV-Sender Iran International, dass das Vermögen ihrer Familie beschlagnahmt wurde: "Mein Vater wurde gezwungen, ein Gebäude, das er Stein für Stein mit harter Arbeit finanziert hatte, den Behörden zu übergeben, einfach weil wir Bahá'í sind." Sie bestätigte auch, dass ihre Mutter Mahvash Sabet im Gefängnis misshandelt wurde.

Bereits im Mai berichtete der internationale Autorenverband PEN, dass während eines Verhörs im Gefängnis die Knie von Mahvash Sabet gebrochen wurden. Sie wurde während des Verhörs auf einem Stuhl sitzend mit ihren Knien voran immer wieder gegen eine Wand geschleudert. Röntgenaufnahmen im Gefängnis bestätigten, dass diese wiederholte Gewaltanwendung zu den Kniebrüchen führte.

Mahvash Sabet, die im Jahr 2017 für ihr Buch "Keine Grenzen. Gedichte aus dem Gefängnis" mit dem PEN-Preis "Writer of Courage" ausgezeichnet wurde, zählt zu den bekanntesten Mitgliedern der Bahá'í-Gemeinde im Iran. Die 70-jährige Dichterin und ehemalige Lehrerin saß von 2008 bis 2017 aufgrund ihres Bahá'í-Glaubens im Gefängnis. Im November 2022 wurde sie erneut zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie angeblich "ihre Lektion nicht gelernt" hätte, wie der Richter behauptete. (…)

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