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Menschenrechtsverein für Migranten e.V.
Aktuelles
03. Mai 2009

"Oh Mutter, ich sehe den Galgen vor mir"

Nach der Hinrichtung einer jungen Frau im Iran gibt es im Westen eine Protestwelle. Die EU hat die Hinrichtung scharf verurteilt. Sie verstoße gegen internationale Verpflichtungen, die der Iran freiwillig eingegangen sei.

Das letzte Telefonat von Delara Darabi war voller Verzweiflung und Angst: „Oh Mutter, ich sehe den Galgen vor mir. Sie werden mich hinrichten. Bitte rette mich“, sagte die 23-jährige Frau laut Anwalt zu ihren Eltern. Doch es gab nichts mehr, was ihre Mutter tun konnte – wenig später starb Delara Darabi, die in der Haft zu malen begonnen hatte, durch den Strang.

In vielen Ländern haben Menschen gegen die Hinrichtung von Delara Darabi protestiert. Sie wurde am 1. Mai hingerichtet, obwohl die Justiz ihr kurz vorher einen zweimonatigen Aufschub gewährt hatte.

Menschenrechtsorganisationen hatten seit Jahren versucht, das Todesurteil gegen die Frau zu verhindern. Denn zum Zeitpunkt des Mordes, den ihr die Anklage im Prozess zur Last gelegt hatte, war die 23-Jährige erst 17 Jahre und damit minderjährig.

Die Vollstreckung der Todesstrafe an minderjährigen Tätern sei eine grobe Verletzung internationalen Rechts, protestierte auch der Anwalt Darabis, Mohammad Mostafaei, der nach eigenen Angaben nicht dem Gesetz folgend 48 Stunden vor der Vollstreckung des Todesurteils benachrichtigt worden war. Die Familie habe zudem entgegen geltendem iranischen Recht nicht von ihrer Tochter Abschied nehmen dürfen, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

„Zynischer Schachzug“

Mit diesem „zynischen Schachzug“ habe der Iran anscheinend versucht, nationalen und internationalen Protesten zuvorzukommen, heißt es in einer Aussendung von „Amnesty International“. Darabi sei im Gefängnis in Rasht, Nordiran, exekutiert worden, obwohl der Chef der Justiz ihr zuvor einen zweimonatigen Aufschub gewährt habe. Der Iran hat unter anderem die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet, wonach Hinrichtungen nicht erlaubt sind, wenn die zugrunde liegende Tat noch vor dem achtzehnten Geburtstag begangen wurde.

Darabi war für schuldig befunden worden, 2003 einen Cousin ihres Vaters ermordet zu haben. Zunächst hatte sie das Verbrechen laut „Amnesty“ in dem Glauben gestanden, damit ihren damals bereits volljährigen Freund vor dem Strang bewahren zu können. Später hatte sie ihr Geständnis widerrufen und beteuert, sie sei unschuldig. Ihr Freund wurde wegen Komplizenschaft zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Im Februar 2007 bestätigte der Oberste Gerichtshof das Todesurteil gegen Darabi.

Die EU hat die Hinrichtung scharf verurteilt. Darabis Hinrichtung verstoße gegen internationale Verpflichtungen, die der Iran freiwillig eingegangen sei, hieß es in einer Erklärung der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft.

nach Agenturmeldungen

mehr Informationen zu Delara Darabi

zur Kampagne für Jugendliche in der Todeszelle


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