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Sie demonstrieren für einen Regimewechsel, sie attackieren schwerbewaffnete Polizisten - und sie werden brutal geschlagen. Iranerinnen stehen bei den Unruhen an vorderster Front.
Eines von etlichen Internet-Videos der vergangenen Wochen aus Iran zeigt einen jungen Mann, der an einer Bushaltestelle in der Hauptstadt Teheran sitzt. Anscheinend grundlos wird er von einem Polizisten mit Sturmmaske attackiert. Plötzlich springt eine Frau ins Bild. Noch bevor sie auf den Polizisten losgeht, rückt sie ihre schwarze Handtasche und ihr Kopftuch zurecht. Doch dann tritt sie zu: einmal, zweimal. Sie setzt noch einen dritten Treffer, bevor sie von einer Gruppe Milizionären mit Schlagstöcken umzingelt, geprügelt und zurückdrängt wird.

Die Frau in dem verwackelten Amateurfilm ist eine von Tausenden in Iran, die in den vergangenen zwei Wochen die Nachrichtenbilder bestimmten. Beobachter sind sich einig, dass der Protest zu wesentlichen Teilen von Frauen getragen wird. "New York Times"-Kolumnist Roger Cohen berichtete in einer Reportage aus der iranischen Hauptstadt darüber, wie Frauen "die weniger tapferen Männer anstacheln". Er habe gesehen, wie Frauen von Sicherheitskräften geschlagen wurden, nur um sich wenig später wieder den Protesten anzuschließen. "Warum sitzt ihr noch da?", habe eine der Demonstrantinnen einer Gruppe Männer zugerufen. "Steht auf! Steht auf!"

Die vor laufender Kamera gestorbene junge Neda Agha-Soltan gab den Protesten ein Gesicht. Und zahllose Frauen, gehüllt in die grünen Tücher der Regimegegner, stehen bei den Demonstrationen in vorderster Reihe. "Sie leiden mehr als die jungen Männer in Iran, deshalb sind sie mutiger", erklärt die Exil-Iranerin Awa Bidar SPIEGEL ONLINE.
Gleichzeitig aber behandelt das Regime Frauen äußerst brutal, so wurden sie etwa für Ehebruch vor kurzem noch gesteinigt. Die Rechtssprechung ist extrem diskriminierend. Möchte sich eine Frau in Iran scheiden lassen, muss sie nachweisen, dass ihr Mann süchtig, impotent, geisteskrank oder vom Glauben abtrünnig ist. Polygamie ist legal. Arbeiten und reisen dürfen Frauen nur mit Zustimmung ihres Mannes. Im Sommer 2008 wurde eine 21-jährige Studentin zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil sie an einer landesweiten Unterschriftenkampagne zur Gleichstellung der Frau beteiligt war. …

Dabei ist die Rebellion kein neues Phänomen. Schon früher wurden Iranerinnen politisch aktiv; zahlreich zeigten sie 1979 Unterstützung für die Islamische Revolution. Doch diesmal sind sie sogar mitten im Getümmel, Seite an Seite mit den Männern, werden sie genauso verprügelt und bedroht. Ihren Frust über jahrzehntelange Unterdrückung verbinden sie mit optischen Aufmüpfigkeiten wie demonstrativ verrutschten Kopftüchern, schillernd lackierten Fingernägeln und auffälligen Designersonnenbrillen. …

"Die Frauen haben schon vor den Protesten für ihre Rechte gekämpft, obwohl sie inhaftiert und gefoltert wurden", sagt die Exil-Iranerin Nazanin Afshin-Jam im Interview mit SPIEGEL ONLINE. "Jetzt wehren sie sich gegen die Milizen. Das ist wirklich sehr eindrucksvoll. Die Frauen sind eine der stärksten Kräfte in Iran, die große Veränderungen bringen werden."
aus einem Bericht von Spiegel Online
Fünf Frauen unter den Hinrichtungsopfern - Menschenrechtler fordern wirksame Maßnahmen der internationalen Gemeinschaft, um die Hinrichtungswelle im Iran zu stoppen.
Die Mordaufrufe sind bezeichnend für die Methoden, mit denen die Teheraner Diktatur auch im Exil lebende Oppositionelle verfolgt.
Hunderte Familienangehörige, darunter zahlreiche ältere Menschen, sind im Iran allein wegen familiärer Kontakte zu den in Ashraf und Camp Liberty lebenden iranischen Oppositionellen in Haft.