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Weltweite Proteste gegen die Steinigung der Iranerin Sakineh Mohammadi-Ashtiani
03. September 2009

Harsche Kritik an Schauprozessen in Iran

Wegen der derzeitigen Schauprozesse von Teheran sollen die Menschenrechtsverletzungen in Iran künftig Teil der Atomgespräche werden. Dies forderte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke.

„Die internationale Gemeinschaft darf nicht aus Angst, kein Ergebnis bei den Atomgesprächen zu erzielen, zu den Schauprozessen gegen die Opposition in Teheran schweigen“, sagte Nooke dem Handelsblatt. Deshalb müssten Fragen wie die Unterdrückung der innenpolitischen Opposition fester Teil der geplanten Verhandlungen über das Atomprogramm werden.

 

August 2009 – Erzwungene Geständnisse beim Schauprozess gegen Regimegegner in Teheran.

 

Im Gespräch mit Handelsblatt.com forderten weitere Spitzenpolitiker von Union und Grünen eine Reaktion des Westens auf die Schauprozesse gegen etwa hundert prominente Regierungsgegner in Teheran. „Wichtig ist vor allem, dass die Europäische Union mit einer Stimme spricht – nicht nur in den Verhandlungen über das iranische Nuklear- und Raketenprogramm, sondern auch in der Einforderung von Demokratie und Menschenrechten“, sagte der außenpolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Eckart von Klaeden (CDU). Die Kritik des Westens an den innenpolitischen Verhältnissen dürfe auch nicht wegen des von US-Präsident Barack Obama an den Iran unterbreiteten Verhandlungsangebots über das Nuklearprogramm zu milde ausfallen. „Eine solche Zurückhaltung würde in Teheran nur als mangelnde Entschlossenheit missverstanden werden.“

Nach Ansicht des Geschäftsführers der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, offenbaren die Schauprozesse in Teheran einmal mehr die Unmenschlichkeit des iranischen Regimes. „Die internationale Gemeinschaft darf dies den iranischen Putschisten nicht durchgehen lassen und ich erwarte, dass Deutschland und die EU die Prozesse aufs Genaueste beobachten und gegen das iranische Vorgehen scharf protestieren“, sagte Beck bei Handelsblatt.com. Die Menschenrechte dürften nicht hinter der Atomfrage anstehen. Die Rechte der iranischen Opposition seien „keine Verhandlungssache“, betonte Beck. Die iranische Staatsführung sei daher aufgefordert, „alle im Zusammenhang mit den Protesten Inhaftierten in Iran ohne Auflagen und Kautionen freizulassen, die Hintergründe von gewalttätigen und illegalen Festnahmen offenzulegen und die Verantwortlichen für die Maßnahmen gegen friedliche Demonstranten zur Rechenschaft zu ziehen“.

 

30. Juli 2009 - Polizisten vertreiben Trauernde vom Friedhof Beheshte-Zahra in Teheran.

 

Auch CDU-Außenexperte von Klaeden zeigte sich besorgt über Zustände in Iran. „Skrupellosigkeit und Brutalität kennzeichnen nicht nur die innenpolitische Lage in Iran, wie die jetzigen Schauprozesse sogar auch gegen frühere hochrangige Führungspersönlichkeiten beweisen, sondern auch die iranische Außenpolitik“, sagte er. Dies zeige sich beispielsweise bei der Entführung und Verhaftung der britischen Seeleute im Frühjahr 2007, beim Umgang des Regimes mit ausländischen Diplomaten und anderen Angestellten ausländischer Botschaften im Zusammenhang mit den Protesten gegen das „offensichtlich gefälschte“ Ergebnis der Präsidentenwahl. „Dies zeigt sich aber auch bei der nicht unerheblichen Rolle Irans bei der Ausrüstung von terroristischen Vereinigungen im Nahen und Mittleren Osten mit Waffen“, fügte von Klaeden hinzu.

Der Vorschlag Nookes, das Thema Menschenrechte in die Atom-Verhandlungen einzubeziehen, kommt angesichts des iranischen Angebots neuer Gespräche zu einem sensiblen Zeitpunkt und ist höchst umstritten. Bisher hatte auch die Bundesregierung das Atomthema stets von der Kritik an den politischen Zuständen in Iran getrennt. „Aber Teheran muss jetzt klar gemacht werden, dass es sich mit Zugeständnissen bei den Nukleargesprächen kein Schweigen erkaufen kann“, mahnte Nooke. Im Übrigen zeige der Umgang der iranischen Führung mit der eigenen Opposition, dass dem Regime nicht zu trauen sei. Nooke forderte die EU auf, sie müsse sicherstellen, dass der angekündigte Auftritt des iranischen Präsidenten bei der UNO-Vollversammlung in New York nicht unwidersprochen bleiben dürfe. …

aus einem Bericht in Handelsblatt.com



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