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10. März 2018

Iran: Verfolgungskampagne des Regimes gegen Umweltschützer

Unter den verhafteten Umweltschützern war der prominente iranisch-kanadische Soziologieprofessor Kavous Seyed Emami, der nach 15 Tagen Haft im Teheraner Evin-Gefängnis starb. Menschenrechtler vermuten, dass sein Tod eine Folge von Folter und anderer Misshandlungen in der Haft war.

Die Verfolgungskampagne des Teheraner Regimes gegen Umweltschützer dauert an. Davon sind besonders Personen mit Verbindungen zum westlichen Ausland oder doppelter Staatsbürgerschaft betroffen. Ende Februar wurden nach Angaben der Regime-Justiz in der südiranischen Provinz Hormozgan drei weitere Umweltschützer wegen angeblicher Spionage für die USA oder Israel festgenommen. Bereits in den Wochen davor waren mehrere Umweltschützer unter demselben Vorwurf verhaftet worden, ohne dass irgendwelche Beweise dafür vorgelegt wurden.

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Unter den Verhafteten war der prominente iranisch-kanadische Soziologieprofessor Kavous Seyed Emami (Bild). Er starb am 8. Februar nach 15 Tagen Haft im Evin-Gefängnis in Teheran.

Während das Regime behauptet, der Professor habe sich im Gefängnis das Leben genommen, bestreiten die Familie und Menschenrechtler diese Version. Es wird vermutet, dass Kavous Seyed Emami als Folge von Folter und anderer Misshandlungen in der Haft starb. Die Regime-Justiz ließ keine unabhängige Autopsie zu und zwang die Familie, den Verstorbenen in aller Eile zu beerdigen.

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In den iranischen Gefängnissen sind Verhaftete immer brutalerer Gewalt und Folter ausgesetzt. Seit Anfang 2018 starben nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als zehn Gefangene im Iran an den Folgen von Folter, wobei das Regime immer wieder behauptete, die hätten Selbstmord begangen. Das Evin-Gefängnis ist berüchtigt dafür, dass hier Gefangene gefoltert und gequält werden. In der Haftanstalt starb 2003 die Fotografin Zahra Kazemi, die wie Kavous Seyed Emami die iranische und kanadische Staatbürgerschaft hatte. Der damalige Vizepräsident des Regimes räumte später ein, dass Kazemi zu Tode geprügelt worden war.

In einer Erklärung forderte die iranische Soziologenvereinigung im Februar eine Untersuchung des Todes von Kavous Seyed Emami. Die offizielle Version sei nicht glaubwürdig, hieß es in der Erklärung. „Wir erwarten, dass die Behörden reagieren und die Öffentlichkeit über die Umstände seines Todes informieren.“

Auch Amnesty International forderte eine unabhängige Untersuchung und warf dem Teheraner Regime vor, vorsätzlich alle Spuren von Folter und möglichem Mord zu verwischen.

Der 63-jährige Emami hatte jahrzehntelang an Teherans Imam-Sadegh-Universität Soziologie gelehrt. In seiner Freizeit engagierte sich der Professor für den Umwelt- und Tierschutz und war Mitbegründer der angesehenen Persian Wildlife Heritage Foundation. Am 24. Januar wurden Emami und mindestens sieben weitere Mitglieder der Organisation festgenommen, unter ihnen Human Jokar, Leiter des Programms zur Rettung des asiatischen Gepards, von dem es im Iran nur noch fünfzig geben soll. Mit Morad Tahbaz, einem iranisch-amerikanischen Geschäftsmann, befindet sich mindestens ein weiteres Mitglied des Vorstands der Persian Wildlife Heritage Foundation in Haft.

Ende Februar haben vier Menschenrechtsexperten der UNO, darunter der Sprecher der UN-Arbeitsgruppe zu willkürlichen Festnahmen, das Teheraner Regime aufgefordert, die Verfolgung von Umweltschützern zu beenden. Die Festgenommenen, die nichts Anderes getan hätten, als sich friedlich für den Schutz der Flora und Fauna einzusetzen, müssten umgehend freigelassen und die Anklagen gegen sie müssten fallengelassen werden. Auch die UN-Experten forderten eine unabhängige Untersuchung des Todes von Emami, den sie als äußert bestürzend bezeichneten.

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