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12. April 2018

Verfolgung von religiösen Minderheiten im Iran: 11 Frauen misshandelt

Amnesty International fordert, dass 11 willkürlich inhaftierte Frauen, die der im Iran verfolgten religiösen Minderheit der Gonabadi-Derwische angehören, umgehend und bedingungslos freigelassen werden, da sie nur aufgrund der friedlichen Ausübung ihrer Rechte auf Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit inhaftiert sind.

Amnesty International macht mit einer Eilaktion auf die Misshandlung von mindestens 11 Frauen aufmerksam, die seit dem 20. Februar im Iran unter unmenschlichen Bedingungen willkürlich inhaftiert sind und keinen Zugang zu Rechtsbeiständen haben. Einige benötigen dringend medizinische Versorgung für die Verletzungen, die sie von den Schlägen bei ihrer Festnahme davongetragen haben.

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Die Frauen gehören der religiösen Minderheit der Gonabadi-Derwische an. Die Gonabadi-Derwische im Iran betrachten sich als schiitische Muslime. Sie lehnen jedoch jede Form des politischen Islam ab und erkennen das Prinzip der religiösen und politischen Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten, auf dem die Teheraner Diktatur basiert, nicht an. Wegen ihrer regierungskritischen Haltung, aber auch, weil sie sich für soziale Belange und Menschenrechte einsetzen, werden Mitglieder dieser religiösen Minderheit immer wieder verfolgt und verhaftet.

In den letzten Jahren wurden die Gonabadi-Derwische immer wieder Opfer von Hetzkampagnen durch Regime-Funktionäre, ihre Versammlungshäuser wurden willkürlich durch Regimekräfte zerstört, zahlreiche Anhänger aus Universitäten ausgeschlossen oder aus dem Staatsdienst entfernt.

Amnesty International fordert, dass die inhaftierten Frauen Shokoufeh Yadollahi, Sepideh Moradi, Maryam Farisani, Nazila Nouri, Sima Entesari, Shima Entesari, Shahnaz Kiani, Maryam Barakouhi, Elham Ahmadi, Avisha Jalaledin und Sedigheh Safabakht umgehend und bedingungslos freigelassen werden, da sie nur aufgrund der friedlichen Ausübung ihrer Rechte auf Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit inhaftiert sind.

Bis zu ihrer Freilassung müssen sie vor Folter oder anderweitiger Misshandlung geschützt werden und Zugang zu ihrer Familie, einem Rechtsbeistand ihrer Wahl und angemessener medizinischer Versorgung erhalten.

In der Eilaktion von Amnesty International heißt es u.a.:

„Am 19. Februar nahmen iranische Sicherheitskräfte gewaltsam mindestens 60 Frauen der im Iran verfolgten Gemeinschaft der Gonabadi-Derwische fest, weil sie in Teheran an einer Protestveranstaltung teilgenommen hatten. Die Veranstaltung schlug in Gewalt um, als Sicherheitskräfte begannen Schläge auszuteilen und Schusswaffen, Wasserwerfer und Tränengas einzusetzen, um die Menge auseinanderzutreiben. Die Frauen wurden in das Haftzentrum Vozara gebracht, wo sie ihren Angaben zufolge übergriffigen Leibesvisitationen durch Beamtinnen, einschüchternden Verhören und Beleidigungen ausgesetzt waren und angeschrien wurden. In den folgenden 24 Stunden brachten die Behörden zehn Frauen in die Quarantäne-Abteilung des Gefängnis Shahr-e Rey in der Nähe von Teheran und ließen die übrigen frei. Bei den überstellten Frauen handelt es sich um Shokoufeh Yadollahi, Sepideh Moradi, Maryam Farisani, Nazila Nouri, Sima Entesari, Shima Entesari, Shahnaz Kiani, Maryam Barakouhi, Elham Ahmadi und Avisha Jalaledin. Nach einigen Tagen wurde eine elfte Frau, Sedigheh Safabakht, die zuvor offenbar im Evin-Gefängnis festgehalten worden war, ebenfalls in das Gefängnis Shahr-e Rey gebracht. Berichten zufolge werden einige der Frauen mitten in der Nacht zu Verhören geholt und dabei verbal misshandelt und bedroht.“

Berichten zufolge, so Amnesty International, wurde Shokoufeh Yadollahi bei der Festnahme so schwer geschlagen, dass sie Kopfverletzungen davontrug. Die Behörden haben ihr den Zugang zu medizinischer Versorgung verweigert, offenbar nachdem sie sich geweigert hatte, in Hand- und Fußschellen zum Krankenhaus gebracht zu werden.

Das Gefängnis Shahr-e Rey ist eine ehemalige Hühnerfarm, in der Hunderte Frauen unter menschenunwürdigen Bedingung inhaftiert sind.

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In der Nacht des 19. Februar haben sich mehrere Hundert Männer und Frauen der Gonabadi-Derwische vor dem Wohnsitz ihres geistigen Oberhaupts in Teheran versammelt, um gegen die verstärkte Verfolgung ihrer Gemeinschaft zu protestieren und die mögliche Festnahme ihres Oberhaupts zu verhindern.

Wie Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen berichten, haben die Polizei und Regime-Milizen Demonstranten mit Stöcken, Elektrokabeln und scharfen Gegenständen geschlagen und Tränengas, Wasserwerfer und scharfe Munition eingesetzt, um die Menge auseinanderzutreiben.

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Teheran, 19. Februar 2018: Regime-Gewalt gegen protestierende Anhänger der religiösen Minderheit der Gonabadi-Derwische.

Augenzeugen berichteten, dass Regimepolizisten ein fünfstöckiges Apartmenthaus durchsuchten, in das die Demonstranten geflüchtet waren. Sie setzten die Treppenhäuser unter Tränengas, bildeten eine Art Schlagstocktunnel und schlugen die Protestierenden wiederholt auf Rücken, Kopf und ins Gesicht, als sie diese mit Gewalt die Treppen hinunter und in bereitstehende Polizeifahrzeuge zerrten.

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Zahlreiche Fotos und Videos belegen das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten und zeigen Protestierende mit Platz- und anderen Wunden im Gesicht und am Körper sowie bandagierte Köpfe und andere Körperteile.

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Am 19. Februar wurden mehr als 300 Protestierende festgenommen, darunter 60 Frauen. Zu den Verhafteten gehörte auch der aus der südwestiranischen Provinz Loresten stammende Mohammad Raji (Bild).

Dazu berichtet Amnesty International:

„Am 4. März wurde die Familie eines der Häftlinge, Mohammad Raji, von der Polizei darüber in Kenntnis gesetzt, dass der Gefangene seinen durch wiederholte Schläge auf den Kopf verursachten Verletzungen erlegen sei. Einzelheiten über die genaue Todesursache, den Ort und den Zeitpunkt sind noch ungewiss. Die Behörden teilten lediglich mit, dass er während der Zusammenstöße tödlich verletzt worden sei und entweder beim Transport ins Krankenhaus oder nach seiner Aufnahme dort verstarb. Seine Familie betont, dass er bei seiner Festnahme am 19. Februar zwar verletzt, aber am Leben war und drückte ihre Empörung darüber aus, dass ihnen sein Schicksal und sein Aufenthaltsort nach seiner Festnahme über 15 Tage hinweg verheimlicht worden waren und die Behörden sich weigerten, den Ablauf und Zeitpunkt der Ereignisse, die zu seinem Tode führten, zu klären.“

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