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26. März 2020

Iran: Christenverfolgung dauert trotz Corona-Krise an

Berichten von Menschenrechtlern zufolge werden Christen im Iran weiter Opfer von Repressalien und Strafmaßnahmen. Besonders inhaftierte Christen sind angesichts der Corona-Epidemie einer besonderen Gefährdung ausgesetzt.

Wegen der in iranischen Gefängnissen grassierenden Corona-Epidemie wurden eine Anzahl von Häftlingen mit minderschweren Strafen vorübergehend aus den überfüllten Haftanstalten freigelassen. Das Teheraner Regime verweigert jedoch weiterhin mehreren Christen die Freilassung und setzt sie damit einem erhöhten Risiko aus, sich mit dem Virus zu infizieren. Das Corona-Virus stellt für die Gefangenen, die in der Regel unter menschenunwürdigen und unhygienischen Bedingungen leben, ein besonderes Risiko dar.

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Unter den Christen, die weiterhin im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten werden, sind der Pastor Youcef Nadarkhani (Bild) und weitere Gemeindemitglieder aus der nordiranischen Stadt Rasht. Der Pastor ist seit Juli 2018 in Haft. Er wurde im Juli 2017 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Der Grund für die Verurteilung war sein Übertritt zum Christentum und seine aktive Mitarbeit in Hausgemeinden.

Pastor Nadarkhani wurde weltweit bekannt, als ein Revolutionsgericht ihn im Jahre 2010 wegen „Abfall vom Islam“ zum Tode verurteilte. Das hatte eine internationale Protestwelle ausgelöst. 2012 konnte Nadarkhani das Gefängnis verlassen, war aber zwischenzeitlich immer wieder inhaftiert und drangsaliert worden, weil er seine Gemeindearbeit nicht aufgab.

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Ende Februar hat ein Regime-Gericht in Teheran die Urteile endgültig bestätigt, die im Oktober 2019 gegen neun Christen (Bild) gefällt worden waren. Die neun ehemaligen Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, müssen somit allein wegen ihres Glaubens für fünf Jahre in Haft.

Die neun Männer - Abdolreza Ali Haghnejad, Shahrooz Eslamdoost, Behnam Akhlaghi, Babak Hosseinzadeh, Mehdi Khatibi, Khalil Dehghanpour, Hossein Kadivar, Kamal Naamanian und Mohammed Vafada – gehören einer christlichen Gemeinde in der nordiranischen Stadt Rasht an.

Sie waren im Januar und Februar 2019 nach Razzien in ihren Wohnungen oder beim Gottesdienst in ihren Hausgemeinden festgenommen und dann nach Zahlung von Kautionen vorläufig freigelassen worden.

Fünf der Christen, Abdolreza Ali Haghnejad, Shahrooz Eslamdoost, Behnam Akhlaghi, Babak Hosseinzadeh und Mehdi Khatibi, wurden im Juli 2019 erneut festgenommen und sind seither im Teheraner Evin-Gefängnis in Haft. Die anderen müssen nun ihre Haftstrafen antreten.

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Mitte März wurde die zweijährige Verbannung des Christen Ebrahim Firouzi (Bild) um 11 Monate verlängert. Die Regime-Justiz begründete dies damit, dass Ebrahim Firouzi seinen Verbannungsort Sarbaz kurzzeitig verlassen und damit die Vorschriften gebrochen habe.

Ebrahim Firouzi hatte die Stadt Sarbaz im Dezember 2019 für wenige Tage verlassen, um Familienangelegenheiten zu regeln. Er hatte die Genehmigungen der Behörden des Verbannungsorts und seiner Heimatstadt dafür eingeholt, dennoch wurde nun diese Strafmaßnahme gegen ihn verhängt.

Der 34-jährige ehemalige Muslim war über sechs Jahre lang in Teheran in Haft gewesen, weil er den christlichen Glauben angenommen hatte und in seiner Hausgemeinde aktiv war. Er war am 26. Oktober 2019 aus dem Gefängnis freigekommen.

Am 11. November 2019 wurde er von der Regime-Justiz gezwungen, seinen Heimatort Robat-Karim nahe Teheran zu verlassen und für zwei Jahre in die Stadt Sarbaz umzusiedeln, wohin er laut einem Urteil aus dem Jahre 2013 für die Dauer von zwei Jahren verbannt wurde. Sarbaz liegt in der südostiranischen Provinz Sistan-Baluchestan, über 1500 Kilometer entfernt von Teheran.

Ebrahim Firouzi wurde seit 2010 dreimal zu Haftstrafen verurteilt, weil er an seinem christlichen Glauben festhielt. Nach seiner ersten Verhaftung und Verurteilung im Jahre 2010 wurde er im März 2012 erneut festgenommen, diesmal unter dem Vorwurf „des Versuchs, eine Website zu erstellen, auf der christliche Lehren verbreitet werden”. Es wurde erneut Anklage wegen angeblicher „staatsfeindlicher Propaganda” gegen ihn erhoben, wofür er von einem Gericht zu einem Jahr Haft und zwei Jahren Verbannung in der Stadt Sarbaz verurteilt wurde. Im August 2013 wurde er inhaftiert, um seine Haftstrafen zu verbüßen.

Im Jahre 2015 hätte Ebrahim Firouzi eigentlich freigelassen werden müssen, doch im April 2015 verurteilte ein Regime-Gericht den Gefangenen wegen seiner missionarischen Arbeit zu weiteren fünf Jahren Haft. Ihm wurde vorgeworfen, „eine Gruppe gegründet zu haben mit dem Ziel, die nationale Sicherheit zu gefährden.” Bis Ende Oktober 2019 war er ununterbrochen in Gefangenschaft.

Unter dem islamistischen Regime im Iran werden immer wieder Christen wegen ihrer aktiven Mitarbeit in ihrer Gemeinde mit der pauschalen Beschuldigung „Gefährdung der Staatssicherheit“ angeklagt und zu langen Haftstrafen verurteilt. Laut dem Weltverfolgungsindex 2020 gehört das Teheraner Regime zu den 10 schlimmsten Christenverfolgern der Welt. Besonders betroffen sind iranische Christen mit muslimischer Vergangenheit, die im Iran fortwährend willkürlicher Verhaftung, Schikanierung und Gefangennahme ausgesetzt sind.

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