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Die Bilder ihres Todes wurden zum Symbol der Brutalität, mit der das iranische Regime gegen das eigene Volk vorgeht.
Es hat keine Trauerfeier für Neda gegeben, die Türen der Nilufar-Moschee blieben geschlossen. Polizisten trieben eine Gruppe von Demonstranten vor der Moschee auseinander. Sicherheitskräfte haben der Familie gar verboten, Trauerflor vor ihrem Haus aufzuhängen. Die von Regimetruppen erschossene Neda Agha-Soltan wurde am Sonntag in aller Stille auf Teherans Behescht-Zahra-Friedhof beigesetzt. Die 26jährige Studentin starb am 20. Juni bei den Protesten im Zentrum von Teheran.

Auf einem Video, aufgenommen mit einer Handykamera, ist zu sehen, wie Neda - von einer Kugel in die Brust getroffen - zu Boden sinkt. Wie ihr Blut aus Mund und Nase quillt, wie ihre Freunde verzweifelt versuchen, sie zu retten. Die Bilder ihres Todes erschütterten Millionen von Menschen weltweit. Sie sind zum Symbol der Brutalität geworden, mit der das iranische Regime gegen das eigene Volk vorgeht.
Neda stammte aus einer iranischen Durchschnittsfamilie: Die Agha-Soltans leben in Teheran-Pars, einem Mittelklasse-Viertel im Osten der Stadt. Der Vater Beamter, die Mutter Hausfrau, zwei Brüder: Gläubig, aber nicht überaus fromm, wählte Neda Philosophie als Studienfach. Sie liebte das Reisen. Iranische Popmusik war ihre Leidenschaft, sie nahm Gesangs- und Klavierstunden.

Freunde der Studentin gaben an, Neda sei vor der Wahl nicht politisch aktiv gewesen. Erst der Zorn über den Wahlbetrug habe sie auf die Straße getrieben - wie so viele Iraner ihrer Generation. Mit einer Gruppe von Freunden hätte sich die junge Frau am 20. Juni auf den Weg zur Demo in die Innenstadt gemacht.
Der gewaltsame Tod einer friedlich demonstrierenden Studentin wirft ein Schlaglicht auf den Protest, der zu wesentlichen Teilen von Frauen getragen wird. Zahlreiche Videos im Internet zeigen Frauen, junge und ältere, die mit Faustschlägen und Tritten auf Polizisten und Regime-Milizionäre losgehen. Auf etlichen Fotos sind Iranerinnen zu sehen, die mit erhobenen Köpfen zentimeternah vor bewaffneten Polizeiketten stehen. In einem Mitschnitt schlagen Milizen auf einen am Boden liegenden Demonstranten ein, bis sich ein Dutzend Frauen auf die Männer stürzt. Tatsächlich häufen sich Berichte, dass die Sicherheitskräfte bei der Niederschlagung der Proteste besonders brutal gegen Frauen vorgehen.

Nedas Schicksal hat Menschen in aller Welt berührt. Neda - auf Deutsch „Stimme“ oder „Ruf“ - ist zur Stimme der Protestbewegung geworden. Im Internet wird auch ein Gedicht verbreitet. Ein Totengebet für die junge Frau, der eine ordentliche Trauerfeier versagt wurde:
Bleib, Neda!
Schau auf diese Stadt
Auf die erschütterten Grundmauern der Paläste
Die Größe der Teheraner Platanen
Sie nennen uns "Staub", und wenn es so ist
Lass uns die Luft für die Unterdrücker verschmutzen!
Geh nicht, Neda!
