Suchen
Nach Berichten von Menschenrechtlern wurden seit Mitte Juni 2009 bis zu 300 Menschen während der Massenproteste im ganzen Iran von Regimetruppen getötet. Berichte über die Identität der Opfer gelangen nur unter Schwierigkeiten ins Ausland, da viele Kommunikationswege unterbrochen sind und die Familienangehörigen der Toten massiv unter Druck gesetzt und eingeschüchtert werden.
Hier einige der Opfer:
Mohsen Ruholamini (25)Der 25jährige Informatik-Student Mohsen Ruholamini wurde am 9. Juli 2009 bei einer Protestdemonstration verhaftet. Er starb kurz darauf im Teheraner Kahrizak-Gefängnis an den Folgen schwerer Folterungen.
Mohsen Ruholamini war der Sohn von Abdul-Hossein Ruholamini, Chef des Pasteur-Instituts und Spitzenberater des konservativen Präsidentschaftskandidaten Mohsen Rezai. Der Informatik-Student sei an einer Gehirnhautentzündung gestorben, teilte der oberste Gefängnischef Teherans den Eltern mit. "Sein ganzer Körper war übersät mit Verletzungen und blauen Flecken. Anzeichen für eine Meningitis habe ich nicht gefunden", widersprach Rezais Bruder Omidvar, Abgeordneter im iranischen Parlament und Neurologe. Der Foltertod des 25-Jährigen löste bis tief ins Lager der Konservativen Empörung aus. Viele Abgeordnete kennen die Familie Ruholamini und forderten eine Untersuchung.
Neda Agha-Soltan (26)Die 26jährige Studentin starb am 20. Juni bei den Protesten im Zentrum von Teheran. Auf einem Video, aufgenommen mit einer Handykamera, ist zu sehen, wie Neda - von einer Kugel in die Brust getroffen - zu Boden sinkt. Wie ihr Blut aus Mund und Nase quillt, wie ihre Freunde verzweifelt versuchen, sie zu retten. Die Bilder ihres Todes erschütterten Millionen von Menschen weltweit. Sie sind zum Symbol der Brutalität geworden, mit der das iranische Regime gegen das eigene Volk vorgeht. Sicherheitskräfte haben offizielle Trauerfeiern für die junge Frau verboten. Die von Regimetruppen erschossene Neda Agha-Soltan wurde in aller Stille auf Teherans Behescht-Zahra-Friedhof beigesetzt.
Taraneh Moussavi (28)Die 28jährige Taraneh Moussavi wurde am 28. Juni während einer Demonstration auf der Shariati-Straße in Teheran von Regimemilizen festgenommen. Berichten von Mitgefangenen zufolge soll sie in eines der geheimen Foltergefängnisse gebracht worden sein, wo die Miliz Verhaftete willkürlich einsperrt und foltert. Frauen, die diese Foltergefängnisse lebend verlassen konnten, berichten von grausamsten sexuellen Misshandlungen und Vergewaltigungen.
Zwei Wochen nach der Verhaftung wurde den Eltern von Taraneh Moussavi von einem anonymen Anrufer mitgeteilt, dass der Leichnam ihrer Tochter sich im Khomeinei-Krankenhaus in Karaj bei Teheran befände. Das Krankenhaus verneinte dies jedoch.
Schließlich wurde der verbrannte Leichnam von Taraneh Moussavi am 16. Juli nach Angaben der iranischen Justiz im Ödland zwischen Karaj and Qazvin, westlich von Teheran, gefunden. Der Familie wurden Repressalien angedroht, falls sie über den Fall spricht oder Trauerfeiern für Taraneh Moussavi abhält.
Mohammad Kamrani (18)Der18jährige Mohammad Kamrani wurde am 9. Juli in der Nähe des Teheraner Vali-Asr-Platzes verhaftet und in das Kahrizak-Gefängnis im Osten der Hauptstadt gebracht. Später wurde er in das Teheraner Evin-Gefängnis verlegt. Am 16. Juli wurde Mohammad Kamrani in das Logman al-Dowleh Krankenhaus eingeliefert, da er infolge von Folterungen und Schlägen mit Schlagstöcken in einem kritischen Zustand war. Die Spuren der Misshandlungen waren auf seinem Körper deutlich sichtbar. Auf Druck seiner Familie wurde er schließlich in das Mehr Krankenhaus verlegt, wo er kurze Zeit später an einer Infektion starb. Mohammad Kamrani wurde am 18. Juli auf dem Teheraner Beheshte-Zahra-Friedhof beerdigt.
Sohrab Arabi (19)Seit er am 15. Juni an einer Demonstration gegen das Teheraner Regime teilgenommen hatte, war der 19jährige Abiturient Sohrab Arabi vermisst. Am 11. Juli wurden Familienangehörigen von der Polizei Fotos von mehreren getöteten Demonstranten vorgelegt, unter denen sich auch Sohrab Arabi befand. Es wurde behauptet, der 19jährige sei an den Schussverletzungen gestorben, die er am 15. Juni erlitten habe. Am 19. Juni sei der Leichnam der Gerichtsmedizin übergeben worden. Was zwischen dem 15. und dem 19. Juni mit Sohrab Arabi geschehen ist, wird weiter verschwiegen. Es wird von den Behörden auch verschwiegen, warum die Familie erst am 11. Juli über den Tod des jungen Mannes informiert wurde.
Kianoosh AsaDer Student der Verfahrenstechnik an der Teheraner Amir-Kabir-Universität wurde am 15. Juni von Regimemilizen verschleppt, nachdem sie das Studentenwohnheim, in dem er wohnte, brutal angegriffen hatten.
10 Tage später fanden Familienangehörige den Leichnam des Studenten in einem Teheraner Leichenschauhaus. Sein Leichnam wies zahlreiche Folterspuren auf.
Yagoub BarvayehStudent der Universität Teheran, wurde bei den Protesten in Teheran durch einen Kopfschuss lebensgefährlich verletzt: er verstarb am 25.06.09 im Loghman-Hakim-Krankenhaus in Teheran.
Mostafa Ghanian (26)Student, ermordet bei einem Überfall von Regimemilizen auf ein Teheraner Studentenwohnheim am 14. Juni 2009; er wurde am 21.06.09 in seiner Heimatstadt Mashad beigesetzt.
Davoud Sadri (25)erschossen am 15. Juni in Teheran auf der Mohammad-Ali-Jenah-Straße, vor einem Stützpunkt der Regime-Milizen.
zur Kampagne "Hilferuf aus dem Iran"