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Menschenrechtsverein für Migranten e.V.
Ashraf-Camp-Liberty
17. März 2012

Repressalien gegen Exiliraner in Ashraf und Camp Liberty

Unterlassung medizinischer Hilfe als Druckmittel gegen die Asylsuchenden: Medizinische Versorgung wird behindert, notwendige Behandlungen werden verweigert.

Die von irakischen Truppen ausgeübten Repressalien gegen die iranischen Oppositionellen in Ashraf und Camp Liberty nehmen zu. In den letzten Tagen wurde mehrfach die medizinische Hilfe für Kranke von den Truppen, die die Siedlung Ashraf von der Außenwelt abgeriegelt haben, behindert.

Am 12. März wurde von den Truppen nicht zugelassen, dass acht schwerkranke Patienten aus Ashraf in Krankenhäuser in Bagdad und Baquba eingeliefert wurden. Ihre Krankenhausbehandlung war vorher von den irakischen Behörden genehmigt worden. Am Tag ihrer Einlieferung wurde die Genehmigung jedoch zurückgezogen, ohne einen neuen Behandlungstermin zu nennen. Die acht Patienten sind in einem kritischen Zustand und können in Ashraf nicht behandelt werden.

Am 11. März wurde ein weiterer vorher genehmigter Transport von drei Patienten aus Ashraf nach Bagdad von den irakischen Truppen verhindert. Die Patienten hatten dort Termine für chemotherapeutische Behandlungen und chirurgische Eingriffe. Der Krankentransport wurde jedoch willkürlich um eine Woche verschoben.

Nour-Mohammad-Biranvand
Am 8. März 2012 starb Nour Mohammad Biranvand (Bild links) in Ashraf an einer Leber-Erkrankung. Während seiner langen Leidenszeit haben irakische Truppen eine fachärztliche Behandlung immer wieder behindert und verzögert.


Auch in Camp Liberty, wohin seit Mitte Februar ca. 800 der iranischen Asylsuchenden aus Ashraf umgesiedelt wurden, wird die medizinische Hilfe für die Exiliraner entgegen den Zusagen der UNO behindert. Mehrfach wurde der Transport von Patienten aus Camp Liberty nach Bagdad so lange von den irakischen Truppen aufgehalten, dass sie erst nach Ende der Sprechzeiten in Bagdad ankamen und ohne Behandlung wieder nach Liberty zurückkehren mussten.

Die Unterlassung oder Behinderung medizinischer Hilfe für die iranischen Flüchtlinge in Ashraf und Camp Liberty stellt eine vorsätzliche Repressalie dar irakischen Truppen gegen die Exiliraner dar und hat seit 2009 dreizehn Patienten das Leben gekostet.

Mehdi Fathi

Zu den Opfern der medizinischen Blockade in Ashraf gehört Mehdi Fathi (50). Er erlag am 10. Dezember 2010 seiner Krebserkrankung. Seine Rettung wäre möglich gewesen, wenn die notwendige Behandlung nicht monatelang von den irakischen Behörden behindert worden wäre.

Schon im Dezember 2010 hatte Amnesty International mit einem internationalen Appell Mediziner und Beschäftige im Gesundheitswesen aufgerufen, sich dafür einzusetzen, dass die medizinische Versorgung der Exiliraner Ashraf nicht weiter behindert wird.

Im März 2011 hat der international renommierte deutsch-amerikanische Wissenschaftler Prof. Dr. Günter Blobel, der 1999 den Nobelpreis für Medizin verliehen bekam, seine tiefe Bestürzung über die Behinderung der medizinischen Versorgung der iranischen Regimegegner im Irak geäußert. „Es ist schockierend“, so Prof. Dr. Blobel, „dass die Bereitstellung von medizinischer Versorgung, die ein legitimes Recht jedes Menschen ist, als Druckmittel gegen diese Menschen ausgenutzt wird. Die Unterlassung medizinischer Hilfe zum Zwecke der Unterdrückung gilt als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

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