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Die iranischen Asylsuchenden haben erneut an die UNO appelliert, dafür zu sorgen, dass die irakischen Behörden die Beschränkungen und Repressalien unterlassen, damit die Zustände in Camp Liberty verbessert werden können.

Berichten aus Camp Liberty bei Bagdad zufolge verschlimmert sich der Wassermangel in dem Lager immer mehr. Dort werden fast 2000 iranische Asylsuchende unter bedrohlichen und menschenunwürdigen Bedingungen festgehalten. Die Exiliranerinnen und -Iraner wurden aus der Siedlung Ashraf, wo sie seit 25 Jahren gelebt hatten, in das Übergangslager Camp Liberty umgesiedelt. Dort entsprechen die Zustände nicht den international geltenden menschenrechtlichen und humanitären Standards. Das Lager ist weder an das Wasserleitungsnetz noch an die Abwasser-Kanalisation angeschlossen. Die Stromversorgung mit Strom-Generatoren ist völlig unzureichend. Die Bewohner werden von der irakischen Lagerleitung durch Repressalien und Verbote daran gehindert, die Lebensbedingungen in Liberty in Eigeninitiative zu verbessern.

Angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit hat der Wassermangel kritische Ausmaße erreicht. Das Wasser muss mit Tanklastwagen herangeschafft werden. Die Anzahl der in dem Lager vorhandenen Tanklastwagen reicht nicht aus, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Die Lagerleitung lässt nicht zu, dass genügend Tankfahrzeuge von Ashraf nach Liberty gebracht werden. Darüberhinaus weigern sich die irakischen Behörden, Camp Liberty an das zentrale Wasserleitungsnetz anzuschließen, obwohl eine Wasserleitung nur 1500 Meter vom Lager entfernt liegt.
Der herrschende Wassermangel wird als Repressalie gegen die Flüchtlinge ausgenutzt. Die Folge ist, dass den iranischen Asylsuchenden in Camp Liberty nur ein Bruchteil der benötigten Wassermenge zur Verfügung steht, was zu ernsten Problemen und zur weiteren Verschlechterung der hygienischen Verhältnisse geführt hat.

Die Abwasser-Entsorgung ist nicht intakt. Die Abwassertanks, Pumpanlagen und Rohrleitungen sind marode. Aus zahlreichen Lecks sickert Abwasser in den Wohnbereich der Flüchtlinge. Die Bewohner von Liberty bemühen sich, in Eigeninitiative Reparaturen und Instandsetzungen vorzunehmen. Die Lagerleitung behindert diese Arbeiten jedoch immer wieder und lässt nicht zu, dass die notwendigen Geräte, Werkzeuge und Ersatzteile von Ashraf nach Liberty gebracht werden. Somit können die Mängel nicht wirksam behoben werden. Es wird auch nicht zugelassen, dass mehr Abwassertanks von Ashraf nach Liberty gebracht werden. Angesichts der sich verschlechternden hygienischen Verhältnisse besteht die Gefahr, dass Krankheiten sich ausbreiten.

Die Asylsuchenden in Camp Liberty bestehen auf ihrer Forderung, dass das Lager an das Wasserleitungsnetz und an das städtische Stromnetz angeschlossen wird. Die in Ashraf verbliebenen Exiliraner sind nicht bereit, nach Camp Liberty umzusiedeln, bevor die Versorgung dort nicht gewährleistet ist. Sie haben erneut an die UNO appelliert, dafür zu sorgen, dass die irakischen Behörden die Beschränkungen und Repressalien unterlassen, damit die Zustände in Camp Liberty verbessert werden können.

In einem Gastbeitrag in der Internetzeitung The European Circle hat die langjährige Präsidentin des Deutschen Bundestages Rita Süssmuth am 26. April auf die humanitäre Lage in Camp Liberty aufmerksam gemacht:
„Im Übergangslager, das ehemals von der US Armee genutzte Camp Liberty, herrschen derzeit kaum erträgliche Lebensumstände. Tag und Nacht sind Wasser und Strom knapp. Die Bewohner erhalten derzeit weit unter 150 Liter Wasser pro Tag und Person. Im trockenen Wüstenstaat Irak, in dem der Rest der Bevölkerung im Schnitt über 400 Liter Wasser pro Tag und Kopf verfügt, bedeutet diese Menge körperliche Qualen. Gerade die Trinkwassersituation verschlimmert sich mit dem Eintreffen jeder neuen Gruppe, da sich immer mehr Menschen die knappen Ressourcen teilen müssen. Das Abwassersystem war bei der Ankunft der ersten Gruppe in marodem Zustand. Über die Lösung dieser Probleme wird seit Ankunft der ersten Gruppe im Februar 2012 verhandelt. Besonders prekär ist die medizinische Versorgung der Kranken und Behinderten. Nach den tödlichen Angriffen in der Vergangenheit finden diese Gespräche unter schwierigsten Voraussetzungen statt. Zumal die irakische Regierung unter immensem Druck des Iran steht. Immer wieder berichten die Bewohner von Einschüchterungen, Provokationen und Schikanen durch das Militär.“