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07. März 2019

Berlin: Hochschulrektorenkonferenz setzt sich für im Iran inhaftierten Wissenschaftler ein

"In Zusammenarbeit mit einer Reihe internationaler Partner werden wir uns auch weiterhin in aller Deutlichkeit für die Freiheit von Dr. Djalali einsetzen. Die Wahrung der Menschenrechte und akademischen Freiheiten sind unumgängliche Voraussetzungen für die Zusammenarbeit auch mit iranischen Hochschulen."

Die deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat die sofortige Freilassung des iranischen Mediziners Dr. Ahmadreza Djalali gefordert, der seit April 2016 im Teheraner Evin-Gefängnis in Haft ist. In einer Pressemitteilung der HRK vom 05.03.2019 heißt es u.a.:

„Nachrichten, dass Dr. Djalali trotz kritischen Gesundheitszustandes keinen Zugang zu medizinischer Versorgung erhält, versetzen mich in tiefe Sorge. In einem offenen Brief habe ich das Staatsoberhaupt des Iran aufgefordert, den bereits seit fast drei Jahren inhaftierten Wissenschaftler unverzüglich aus der Haft zu entlassen“, so der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) Prof. Dr. Peter-André Alt heute in Berlin. „In Zusammenarbeit mit einer Reihe internationaler Partner werden wir uns auch weiterhin in aller Deutlichkeit für die Freiheit von Dr. Djalali einsetzen. Die Wahrung der Menschenrechte und akademischen Freiheiten sind unumgängliche Voraussetzungen für die Zusammenarbeit auch mit iranischen Hochschulen.“

Die HRK unterstützt den dringenden Aufruf von Scholars at Risk, dem internationalen Netzwerk zum Schutz gefährdeter Wissenschaftler, Unterstützerschreiben für Ahmadreza Djalali an die iranische Regierung zu schicken.

Scholars at Risk berichtet, dass Dr. Djalali trotz des dringenden Verdachts auf eine Leukämieerkrankung eine medizinische Versorgung verwehrt wird. Seit April 2016 befindet sich der in Schweden lebende Wissenschaftler in iranischer Haft. Im Oktober 2017 wurde Djalali wegen „Verdorbenheit auf Erden“ (ifsad fil-arz) zum Tode verurteilt. Einen Antrag auf Überprüfung des Urteils lehnte das oberste Gericht des Iran im Februar 2018 ab. Dr. Djalalis Gesundheitszustand hat sich während der Haftzeit kontinuierlich verschlechtert.

Die HRK hatte sich bereits unter ihrem ehemaligen Präsidenten Prof. Dr. Horst Hippler mehrfach gegenüber der iranischen Staatsführung für eine Freilassung von Ahmadreza Djalali eingesetzt.

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Im Februar hatte Vida Mehran-Nia, die Ehefrau von Ahmadreza Djalali, an die internationalen Menschenrechtsorganisationen appelliert, sich für die Freilassung ihres Mannes einzusetzen. Der Gesundheitszustand ihres Mannes sei lebensbedrohlich. Die notwendige Behandlung in einem Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses werde ihm jedoch von der Gefängnisleitung verweigert.

Die Justiz und die Gefängnisbehörden im Iran verweigern politischen Gefangenen systematisch den Zugang zu notwendiger medizinischer Versorgung. Dies geschieht mit grausamem Kalkül, um die Gefangenen zu bestrafen oder zu „Geständnissen“ und „Reuebekundungen“ zu zwingen. Die Gesundheit von Gefangenen wird vom Teheraner Regime routinemäßig als Druckmittel eingesetzt. Ihr Leben wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Den Betroffenen drohen chronische Gesundheitsschäden und bleibende Behinderungen.

Der 46-jährige Ahmadreza Djalali, der seit Jahren mit seiner Familie in Schweden wohnte, war Forscher und Dozent für Notfallmedizin an europäischen Universitäten. Er hat am schwedischen Karolinska-Institut sowie an Universitäten in Italien und Belgien gearbeitet.

Seit Ende April 2016 wird er zu Unrecht im Teheraner Evin-Gefängnis festgehalten. Die Justiz des iranischen Regimes behauptet, ohne Beweise dafür vorzulegen, Ahmadreza Djalali habe für Israel spioniert. Dafür wurde er im Oktober 2017 von einem Revolutionsgericht zum Tode verurteilt. Über die von ihm eingelegte Berufung gegen dieses Urteil ist noch nicht entschieden.

Ahmadreza Djalali weist den Vorwurf der Spionage mit Nachdruck zurück, der konstruiert worden sei, um ihn zu bestrafen. Der wahre Grund für seine Verurteilung sei, dass er sich geweigert habe, für den iranischen Geheimdienst zu spionieren. In einem Brief enthüllte der Mediziner, dass er im Jahre 2014 vom Geheimdienst des Teheraner Regimes aufgefordert worden sei, diesem geheime Informationen aus EU-Ländern zukommen zu lassen, darunter Informationen über die Abwehr-Vorkehrungen und -Programme dieser Länder gegen Terroranschläge und Angriffe mit Massenvernichtungswaffen, geheime Operationspläne und Forschungsprojekte im Zusammenhang mit Terrorismus und Krisensituationen.

Ahmadreza Djalali berichtete, er habe dies kategorisch abgelehnt und betont, dass er ein Wissenschaftler und kein Spion sei. Seine spätere Verhaftung und Verurteilung seien Vergeltungsmaßnahmen des iranischen Geheimdienstes.

Menschenrechtler weisen darauf hin, dass dies mit Fällen anderer iranischer Wissenschaftler mit Kontakten zu westlichen Universitäten übereinstimmt, die nach konstruierten Beschuldigungen zu Haftstrafen verurteilt wurden, weil sie nicht bereit waren, mit dem Geheimdienst Irans zusammenzuarbeiten. So war der Physiker Omid Kokabee fünf Jahre lang in Teheran in Haft, weil er nicht bereit war, am Atomwaffenprogramm des Teheraner Regimes mitzuarbeiten. Der Wirtschaftswissenschaftler Hamid Babaei wurde im Iran zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er es ablehnte, seine Studienkollegen in Belgien auszuspionieren.

Bereits im Dezember 2018 haben 121 Nobelpreisträger in einem offenen Brief auf den sich verschlechternden Gesundheitszustand von Ahmadreza Djalali hingewiesen und die Freilassung des inhaftierten Wissenschaftlers gefordert.



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