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Mit Massenprotesten haben Menschen im ganzen Iran seit Mitte Juni 2009 immer wieder gegen die Diktatur demonstriert und Freiheit und Demokratie gefordert. Die Proteste werden zu wesentlichen Teilen von Frauen getragen. Frauen aller Altersgruppen stehen bei den Demonstrationen mutig in vorderster Reihe, obwohl sie brutalste Gewalt vonseiten der Regimetruppen erwartet.

Schon zu Beginn der fundamentalistischen Herrschaft waren die Frauen die ersten, die sich zur Wehr setzten - mit Protesten gegen den Schleierzwang und die anderen frauenfeindlichen Gesetze. Heute wirken Frauen in allen Bewegungen für Demokratie und Menschenrechte im Iran aktiv mit. Anwältinnen und Frauenrechtlerinnen engagieren sich gegen die Todesstrafe und die Steinigung. Journalistinnen machen Menschenrechtsverletzungen
über das Internet publik. Frauengruppen wie die „Trauernden Mütter“ fordern mit öffentlichem Protest, dass die Verantwortlichen für die Morde und Folterungen zur Rechenschaft gezogen werden, und setzen sich für die Freilassung der Gefangenen ein.
Die Frauen, die sich der Diktatur im Iran entgegenstellen, beweisen großen Mut. Viele Frauen haben ihr Eintreten für Demokratie und Menschenrechte im Iran mit dem Leben bezahlt.
Iran: Revolte der Frauen
Beobachter sind sich einig, dass der Protest zu wesentlichen Teilen von Frauen getragen wird. "New York Times"-Kolumnist Roger Cohen berichtete in einer Reportage aus der iranischen Hauptstadt darüber, wie Frauen "die weniger tapferen Männer anstacheln". Er habe gesehen, wie Frauen von Sicherheitskräften geschlagen wurden, nur um sich wenig später wieder den Protesten anzuschließen. "Warum sitzt ihr noch da?", habe eine der Demonstrantinnen einer Gruppe Männer zugerufen. "Steht auf! Steht auf!" (Spiegel Online vom 26. Juni 2009)
Der Mut hat Nedas Mutter nicht verlassen
Hadjar Rostami hat das wohl Schlimmste durchgemacht, was eine Mutter erleben kann. Sie hat ihr Kind sterben sehen - auf einem Video. Der Mut hat sie trotzdem nicht verlassen: "Wenn Neda am Leben wäre, würde sie heute für die Toten demonstrieren gehen - und ich würde sie nicht daran hindern", sagt sie trotz ihrer Trauer. „Ich will ein Verfahren, ich will Gerechtigkeit. Und alle Menschen auf der Welt sollen von meiner Geschichte erfahren.“
Als Neda am 20. Juni von einer Kugel getroffen in Teheran starb, zeichnete ein Passant die Szene mit seiner Handy-Kamera auf. 44 Sekunden lang zeigt der Film, wie die 27Jährige verblutet, wie die Umstehenden verzweifelt versuchen, ihr zu helfen. Millionen Menschen weltweit sahen die Bilder von Nedas Tod im Internet und waren erschüttert. Neda wurde zur Symbolfigur des Protests gegen das iranische Regime.
mehr zum Tod von Neda Agha Soltan am 20. Juni 2009 in Teheran
"Mein Sohn ist nicht umsonst gestorben, wir werden weiterkämpfen“
Parvin Fahimi ist die Mutter des 19jährigen Sohrab, der Mitte Juni während einer Protestdemonstration erschossen wurde. 26 Tage lang suchte sie verzweifelt in Gefängnissen nach ihrem vermissten Sohn, bis sie seinen Leichnam in der Gerichtsmedizin fand. Gemeinsam mit anderen Müttern von Opfern staatlicher Gewalt hat sie Sammelklagen gegen die Verantwortlichen eingereicht.

Parvin Fahimi: „Die hohe Beteiligung am Trauermarsch für die Opfer der Protestbewegung zeigt mir, wie groß das Mitgefühl in der Bevölkerung ist. Und die Demonstration zeigt, dass Sohrab nicht umsonst für seine Ideale von Freiheit und Demokratie gestorben ist. Auch wenn der Preis für unseren Protest sehr hoch sein sollte: Wir werden weiterkämpfen.“
Trauernde Mütter: „Wir fordern die Strafverfolgung der Mörder unserer Kinder“
"Bis zur Freilassung aller Häftlinge, die bei den Protesten verhaftet wurden, bis zum Ende der Gewalt und bis zur Strafverfolgung der Mörder unserer Kinder werden wir uns jeden Samstag um 7 Uhr schweigend versammeln, in der Nähe des Ortes, an dem unsere liebe Neda getötet wurde.“
