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20. September 2019

Weltweiter Aufschrei gegen die Frauenfeindlichkeit des Teheraner Regimes

Die Selbstverbrennung einer Frau im Zusammenhang mit dem Stadionverbot für weibliche Fußballfans hat im Iran und weltweit Trauer und Bestürzung ausgelöst. Im Internet protestieren tausende Menschen gegen die Frauenfeindlichkeit des iranischen Regimes. Die Protestbewegung, die sich für den gleichberechtigten Zugang zu Stadien einsetzt, hat eine neue Dimension erreicht.

Unter der islamistischen Diktatur im Iran ist es Frauen seit 1979 verboten, Fußballspiele von Männern in Stadien anzuschauen. In keinem anderen Land gibt es ein solches Verbot. Trotz zahlreicher Proteste beharrt das Teheraner Regime jedoch auf diesem Verbot, das zu den frauenfeindlichen Gesetzen gehört, mit denen die Frauen im Iran in allen Lebensbereichen konfrontiert sind.

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Immer wieder verschaffen sich Frauen im Iran Zugang zu den Stadien, indem sie sich als Männer verkleiden. Die 29-jährige Sahar Khodayari (Bild) war eine der Frauen, die sich im März 2019 in das Azadi-Stadion in Teheran schlichen, als Mann verkleidet, mit langem Mantel und blauer Fan-Perücke. Sie wollte das Spiel des Teheraner Vereins Esteghlal sehen. Nach Ende des Spiels wurde sie festgenommen, in das berüchtigte Frauengefängnis Gharchak gebracht und später gegen eine Kaution freigelassen. Es wurde Anklage erhoben wegen „Verstoßes gegen das Keuschheitsgebot, sittenwidrigen Benehmens und Beleidigung der Ordnungskräfte“.

Am 2. September wurde ein erster Gerichtsprozess in Teheran abgesagt, aber Sahar Khodayari erfuhr, dass ihr eine sechsmonatige Gefängnisstrafe drohte. Daraufhin zündete sie sich vor dem Gerichtsgebäude selbst an. Am 9. September starb sie aufgrund ihrer schweren Verbrennungen. Das Regime zwang die Familie, Sahar Khodayari in aller Eile zu begraben. Trauerfeiern wurden untersagt. Die iranische Presse durfte nicht über den Fall berichten.

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Der Tod von Sahar Khodayari hat im Iran und weltweit Trauer und Bestürzung ausgelöst. Im Internet protestieren tausende Menschen gegen die Frauenfeindlichkeit des Teheraner Regimes. Die Protestbewegung, die sich für den gleichberechtigten Zugang zu Stadien einsetzt, hat eine neue Dimension erreicht.

Ali Karimi, iranisches Fußball-Idol und früherer Profi von Bayern München, rief seine 4,5 Millionen Instagram-Follower zum Stadionboykott auf. Auch der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft Masoud Shojaei bezog klar Stellung: „Die Selbstverbrennung einer Frau, die angeklagt wurde, weil sie ein Fußballspiel anschauen wollte, ist das Resultat widerwärtigen Denkens und wird für zukünftige Generationen völlig unverständlich sein“, schrieb Shojaei bei Instagram. Sein Teamkollege Ashkan Dejagah forderte ebenfalls ein Umdenken. „Wann wollt ihr endlich mit solchen Sachen aufhören? Genug ist genug“, schrieb der frühere Bundesligaprofi.

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Die FIFA reagierte unter dem Eindruck des tragischen Todes der Iranerin scharf. „Wir fordern die iranischen Behörden erneut auf, die Freiheit und Sicherheit aller Frauen zu gewährleisten, die an diesem legitimen Kampf zur Beendigung des Stadionverbots für Frauen im Iran beteiligt sind“, erklärte der Fußball-Weltverband.

Die Worte der FIFA reichen der Protestbewegung im Iran jedoch nicht mehr aus. Mehr und mehr Iraner fordern den Ausschluss ihres Landes aus der Welt des internationalen Sports. Die Forderung ist begründet – schließlich ist die Diskriminierung von Frauen laut den FIFA-Statuten verboten und muss sanktioniert werden.

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Laut Amnesty International zeigt der schockierende Tod von Sahar Khodayari die Auswirkungen der Missachtung der Frauenrechte im Iran. In einer Presseerklärung von Philip Luther, Direktor für den Bereich Mittlerer Osten und Nordafrika bei Amnesty International, heißt es dazu:

"Was mit Sahar Khodayari passiert ist, ist grauenhaft und zeigt die Auswirkungen der entsetzlichen Verachtung der iranischen Behörden für die Rechte der Frauen im Land. Ihr einziges 'Verbrechen' war es, eine Frau in einem Land zu sein, in dem Frauen eine im Gesetz verankerte Diskriminierung erfahren, die sich in der grausamsten Weise auf jeden Lebensbereich auswirkt - sogar auf den Sport.

Soweit wir wissen, ist der Iran weltweit das einzige Land, das es Frauen verbietet, Fußballstadien zu betreten und das Zuwiderhandlungen bestraft. Dieses diskriminierende Verbot muss umgehend aufgehoben werden. Die internationale Gemeinschaft, darunter auch der Weltfußballverband FIFA und die Asiatische Fußballkonföderation, müssen sofort aktiv werden, um auf die Aufhebung des Verbots hinzuwirken und sicherzustellen, dass Frauen ohne Ausnahme zu allen Sportstadien Zugang haben und dafür weder strafrechtlich verfolgt noch bestraft werden.

Die iranischen Behörden haben zwar einigen Frauen bei wenigen Gelegenheiten den Zugang zu Fußballstadien gestattet. Doch dies ist nur eine Public-Relation-Maßnahme und kein sinnvoller Schritt in Richtung der Abschaffung des Stadionverbots. Amnesty International ist der Ansicht, dass Sahar Khodayari noch am Leben wäre, wenn es dieses drakonische Verbot und das folgende Trauma ihrer Festnahme, Inhaftierung und Strafverfolgung nicht gegeben hätte. Sahar Khodayari darf nicht umsonst gestorben sein. Ihr Tod muss eine Veränderung im Iran bewirken, um weitere Tragödien in Zukunft zu verhindern."

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