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04. März 2023

Frauenfeindliches Regime im Iran: Giftanschläge auf Schülerinnen

Nach Ansicht von Iran-Experten handelt es sich bei den Vergiftungen um staatlich organisierte Anschläge, die das Ziel haben, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. Studentinnen und Schülerinnen, die im Herbst 2022 besonders aktiv und lautstark für Freiheit und gegen den Schleierzwang protestiert haben, sollen eingeschüchtert werden.

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Im Iran häufen sich besorgniserregende Berichte über Giftanschläge in Mädchenschulen. Über 1000 Schülerinnen in 15 Städten des Landes haben bisher Vergiftungen erlitten. Die Mädchen berichten, dass sie zunächst den Geruch von verfaulendem Obst oder von faulen Eiern wahrgenommen haben, bevor Vergiftungssymptome wie Übelkeit, Brechreiz, Atemprobleme, Kopfschmerzen und Ohnmacht aufgetreten seien. Berichten zufolge seien auch einige Rettungskräfte ohnmächtig geworden. Viele Schülerinnen wurden bewusstlos in Krankenhäuser eingeliefert. Videos in sozialen Medien zeigen überfüllte Krankenstationen.

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Eltern und Lehrergewerkschaften protestieren

Immer öfter demonstrieren Eltern vor den Schulen oder vor Regierungsgebäuden. Angehörige der betroffenen Schülerinnen machen das iranische Regime für die Anschläge verantwortlich. Im Netz kursieren hunderte Videos, in denen Eltern ihre Sorge und ihre Wut zum Ausdruck bringen.

Die iranischen Lehrergewerkschaften haben für kommende Woche zu landesweiten Protestaktionen aufgerufen. Sie fordern Schutzmaßnahmen für die Mädchenschulen und eine klare Verurteilung der Anschläge durch die Regime-Führung. Die Verantwortlichen für diese Verbrechen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Regimeterror gegen die Bevölkerung: Organisierte Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen

Das Teheraner Regime hat die Anschläge zunächst geleugnet und täuscht nun Ahnungslosigkeit vor, während es „ausländische Mächte“ als Verursacher der Vergiftungen beschuldigt. Gleichzeitig werden unabhängige internationale Untersuchungen verhindert. Berichte über Giftanschläge in Wohnheimen von Studentinnen gab es schon während der landesweiten Proteste im Herbst 2022. Sie wurden jedoch von Regime-Funktionären heruntergespielt und vertuscht.

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Im Herbst 2022 haben iranische Schülerinnen besonders aktiv und lautstark gegen das Regime protestiert.

Nach Angaben von Iran-Experten deuten alle Indizien darauf hin, dass das Regime selbst hinter diesen Gewalttaten steckt. Ihrer Ansicht nach handelt es sich bei den Vergiftungen um staatlich organisierte Anschläge, die das Ziel haben, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. Studentinnen und Schülerinnen, die im Herbst 2022 besonders aktiv und lautstark für Freiheit und gegen den Schleierzwang protestiert haben, sollen eingeschüchtert werden. Der Widerstand der Studentinnen und Schülerinnen gegen die Diktatur ist ungebrochen, und das Regime befürchtet, dass es erneut zu großen Protesten kommt.

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Kenner der Lage im Iran weisen darauf hin, dass es die ersten Giftanschläge in Mädchenschulen in der Stadt Ghom gab, die ein Zentrum regimetreuer Extremisten ist. Die ersten Berichte darüber tauchten im November 2022 auf, als die landesweiten Proteste gegen das Regime in vollem Gang waren. Damals gab es auch an vielen Mädchenschulen Protestaktionen.

Menschenrechtler erinnern daran, dass solche vom Teheraner Regime organisierten Anschläge auf Frauen und Mädchen nicht neu sind. Die aktuellen Vergiftungen in den Mädchenschulen ähneln den Säureanschlägen, denen zahlreiche Iranerinnen in den letzten Jahren ausgesetzt waren, weil sie sich dem Schleierzwang nicht unterworfen haben. So wurden im Jahre 2014 in der Stadt Isfahan dutzende Frauen mit Säure attackiert und schwer verletzt. Auch diese organisierten Attacken wurden von Regime vertuscht, und niemand wurde dafür zur Rechenschaft gezogen.

Internationale Gemeinschaft fordert Aufklärung der Giftanschläge

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat nach den erneuten Vergiftungen von Schülerinnen im Iran eine „lückenlose Aufklärung“ gefordert. „Die Berichte vergifteter Schulmädchen in Iran sind schockierend. Mädchen müssen ohne Angst zur Schule gehen können - ganz egal ob in Teheran oder Ardabil“, schrieb Baerbock am 3. März auf Twitter.

Auch das US-Präsidialamt äußerte sich besorgt über die Vergiftungen. Diese seien „zutiefst beunruhigend“, die Welt müsse die Ursachen dafür erfahren, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, am 3. März in Washington.

Eine Sprecherin des UN-Hochkommissars für Menschenrechte brachte am selben Tag ihre tiefe Besorgnis über die Anschläge auf Schülerinnen im Iran zum Ausdruck. Sie verlangte eine transparente Untersuchung, deren Ergebnisse veröffentlicht werden müssten. Die Täter müssten vor Gericht gestellt werden.

Menschenrechtsgruppen haben die Weltgemeinschaft aufgerufen, die Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Iran mit aller Schärfe zu verurteilen. Die UN-Sonderberichterstatterin zu Gewalt gegen Frauen müsse vor Ort Ermittlungen zu den Giftanschlägen durchführen.

mehr Informationen zur Regime-Gewalt gegen Frauen im Iran



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