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21. Januar 2020

Weltverfolgungsindex 2020: Das Teheraner Regime gehört weiter zu den schlimmsten Christenverfolgern der Welt

Christliches Hilfswerk Open Doors zur Lage im Iran: "Die Zahl der verhafteten Christen ist im Gegensatz zum Vorjahr deutlich gestiegen…. Viele Christen werden bei Verhören geschlagen, (sexuell) belästigt oder sehr stark unter Druck gesetzt - beispielsweise durch Einzelhaft, Schlafentzug, Verhöre über lange Zeiträume hinweg, Androhung von Gewalt gegen Familienmitglieder (unter anderem Vergewaltigung) oder Morddrohungen gegen sie selbst oder gegen ihre Familie."

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Das überkonfessionelle christliche Hilfswerk Open Doors hat am 15. Januar den Weltverfolgungsindex 2020 veröffentlicht. Er stellt die Rangfolge der 50 Länder dar, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens am stärksten verfolgt werden. Für den Index werden die Lebensumstände von Christen in Zusammenarbeit mit Menschenrechtsexperten, Wissenschaftlern und Betroffenen beurteilt. Der Iran wird in dem Index 2020 an 9. Stelle notiert. Das Teheraner Regime gehört damit weiter zu den schlimmsten Christenverfolgern der Welt.

Im Bericht von Open Doors zur Verfolgung der Christen im Iran heißt es u.a.:

Ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, tragen die Hauptlast der Verfolgung – insbesondere durch die Regierung, und in einem geringeren Ausmaß durch ihre Familien und die Gesellschaft. In diesen Christen muslimischer Herkunft sieht die Regierung einen Versuch westlicher Länder, den Islam und die islamische Regierung Irans zu untergraben. Leiter von Gruppen solcher christlichen Konvertiten werden verhaftet, vor Gericht gestellt und wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ zu langen Haftstrafen verurteilt. Die traditionellen armenischen und assyrischen Kirchen sind zwar durch den Staat anerkannt und geschützt, ihre Mitglieder werden jedoch als Bürger zweiter Klasse behandelt. Ihnen ist der Kontakt mit (farsisprachigen) Christen muslimischer Herkunft verboten, ihre Gottesdienste dürfen diese Konvertiten nicht besuchen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

•    Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 wurden mindestens 169 Christen verhaftet, 114 von ihnen in einer einzigen Woche Ende 2018. Viele Christen, besonders solche mit muslimischem Hintergrund, wurden vor Gericht gestellt und zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Andere warten noch auf ihren Prozess. Ihre Familien sind während dieser Zeit öffentlichen Demütigungen ausgesetzt.
•    In mehreren Hauskirchen wurden während des Berichtszeitraums Razzien durchgeführt. Die meisten dieser Hauskirchen können nicht mehr wie bisher als Hauskirchen fungieren.
•    Gerichte verlangen hohe Kautionssummen. Inhaftierte Christen, die diese Summen aufbringen können und gegen Kaution entlassen werden, verlieren das Geld jedoch, wenn sie nach ihrer Entlassung aus dem Land fliehen.
•    Berichten zufolge werden junge Frauen oder Mädchen, die an Gottesdiensten von Hauskirchen teilnehmen, von Sicherheitsbehörden bei ihren Eltern gemeldet und behauptet, sie hätten in unangemessener Weise Umgang mit Männern gehabt. Unverheiratete Frauen öffentlich anzuprangern ist ein wirksames Mittel, um ihren Ruf und sozialen Status zu schädigen. Dies gilt insbesondere für konservativ geprägte Gebiete. (…)

Das Verfolgungsmuster zeigt:

•    Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen hat weiterhin das gleiche extreme Ausmaß wie im Weltverfolgungsindex 2019 (14,9 Punkte). Die iranische Regierung übt in großem Umfang Druck auf Christen aus.
•    Auch wenn der Druck in allen Lebensbereichen ein extremes Ausmaß hat, erreicht er die höchste Stufe im „Kirchlichen Leben“ und im „Leben im Staat“. Darin spiegelt sich, dass der Druck hauptsächlich von der Regierung ausgeht. Das gesamte kirchliche Leben ist stark eingeschränkt, auch das der offiziell anerkannten armenischen und assyrischen Christen, die das Evangelium nicht weitergeben und in ihren Gottesdiensten kein Farsi sprechen dürfen. (…)

Privatleben

•    Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: Der iranische Geheimdienst sucht in sozialen Netzwerken nach Äußerungen, die mit dem christlichen Glauben zu tun haben, und sammelt diese als belastende Beweise für Inhaftierungen. Einige Kirchenleiter wurden bereits bei Verhören mit ihren privaten Nachrichten und Posts im Internet konfrontiert. Dies betrifft zwar vor allem Christen muslimischer Herkunft, doch auch für Christen aus traditionellen Kirchen und protestantischen Freikirchen ist es riskant, sich im Internet über ihren christlichen Glauben zu äußern, da dies als Missionierungsversuch interpretiert werden könnte – insbesondere wenn diese Äußerungen auf Farsi geschrieben sind.
•    Es ist gefährlich, christliches Material zu besitzen oder aufzubewahren: Für alle Christen kann es gefährlich sein, christliche Literatur in Farsi zu besitzen – besonders in größerer Anzahl, da dies darauf hindeutet, dass sie zur Weitergabe an muslimische Iraner gedacht ist. Christen aus traditionellen Kirchen dürfen christliche Literatur in ihrer Muttersprache (Armenisch oder Assyrisch) besitzen.
•    Für Christen ist es gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen: Besonders für Christen muslimischer Herkunft ist es gefährlich, wenn sie dabei entdeckt werden, wie sie sich mit anderen Christen treffen. Doch auch für ausländische Christen ist es riskant, sich mit iranischen Christen zu treffen – besonders mit Christen muslimischer Herkunft – da der Geheimdienst jede Bewegung von Ausländern im Land genau beobachtet. Iranische Christen, die Kontakt zu ausländischen Christen haben, werden als Sicherheitsbedrohung angesehen.
•    Es ist für Christen gefährlich, auf christliches Radio und Fernsehen oder christliches Material im Internet zuzugreifen: Der Zugriff auf christliche Inhalte ist gefährlich, da alle Medien sehr stark überwacht werden. Die Behörden überwachen christliche Programme und Internetseiten, um Christen muslimischer Herkunft aufzuspüren. (…)

Auftreten von Gewalt

•    Die physische Auslöschung von Christen will und kann sich die pragmatische Regierung Irans politisch nicht leisten. Deshalb setzt sie auf eine langsame, schleichende und leise Beseitigung von Christen. Es gab im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2020 keine Berichte von um ihres Glaubens willen getöteten Christen.
•    Die Zahl der verhafteten Christen im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 ist im Gegensatz zum Vorjahr jedoch deutlich gestiegen. Bei einer Verhaftungswelle Ende 2018 wurden 114 Christen festgenommen. Viele von ihnen warten noch auf ihren Gerichtsprozess und die Verkündung ihres Strafmaßes. Einige von ihnen wurden entlassen, nachdem sie eine Erklärung unterschrieben, mit der sie sich verpflichteten, keinen Kontakt zu Christen zu haben.
•    Viele Christen werden bei Verhören geschlagen, (sexuell) belästigt oder sehr stark unter Druck gesetzt – beispielsweise durch Einzelhaft, Schlafentzug, Verhöre über lange Zeiträume hinweg, Androhung von Gewalt gegen Familienmitglieder (unter anderem Vergewaltigung) oder Morddrohungen gegen sie selbst oder gegen ihre Familie.
•    Hauskirchen wurden vom Geheimdienst durchsucht und zerstört. Kirchengebäude zerfallen mit der Zeit, weil dringend benötigte Reparaturen nicht durchgeführt werden dürfen.
•    Zahlreiche inhaftierte Christen müssen Hypotheken aufnehmen, um die hohen Kautionszahlungen für ihre Entlassung aufbringen zu können. Weil sie befürchten, dass ein Gerichtsurteil zu einer langen Gefängnisstrafe führt, fliehen viele iranische Christen nach ihrer vorläufigen Entlassung aus dem Land, wobei sie ihre Kaution – und somit häufig auch ihren Grundbesitz – verlieren. Andere Christen verlieren ihre Privathäuser, weil diese bei Hausdurchsuchungen zerstört werden. (...)

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