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17. Juni 2022

Verfolgung stoppen! Drei iranische Christen mit 22 Jahren Gefängnis bestraft

Christen in Bedrängnis: Mit der systematischen Verfolgung von Christen verletzt das Regime im Iran das Menschenrecht auf Religionsfreiheit. Menschenrechtler fordern die sofortige Freilassung aller Häftlinge, die allein wegen ihres Glaubens zu Unrecht in Gefangenschaft sind.

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Malihe Nazari, Mina Khajavi und Joseph Shahbazian (im Bild v.l.n.r.) wurden in Teheran allein wegen ihres christlichen Glaubens zu insgesamt 22 Jahren Haft verurteilt.

Am 7. Juni wurden drei Mitglieder der christlichen Gemeinde von Teheran zu insgesamt 22 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Regime-Justiz hatte sie wegen „Mitgliedschaft in staatsfeindlichen Gruppen und Gefährdung der Staatssicherheit“ angeklagt, weil sie das Evangelium verbreitet und Hausgemeinden geleitet haben, in denen Christen sich zum Gebet versammelten.

Pastor Joseph Shahbazian (58), der der iranisch-armenischen Christengemeinde angehört, wurde zu 10 Jahren Haft verurteilt. Außerdem ordnete die Regime-Justiz seine zweijährige Verbannung in eine abgelegene Gegend im Südosten Irans und den Entzug von mehreren Bürgerrechten an.

Die beiden Konvertitinnen Malihe Nazari (48) und Mina Khajavi (59), die vom Islam zum christlichen Glauben übergetreten sind, wurden zu jeweils sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Malihe Nazari ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. Mina Khajavi wurde im Gerichtsprozess auch vorgeworfen, dass ihr Ehemann und ihr Sohn zum Christentum konvertiert sind.

Joseph Shahbazian, Malihe Nazari und Mina Khajavi wurden Ende Juni 2020 in ihren Teheraner Wohnungen festgenommen, nachdem Regime-Gardisten in drei iranischen Städten Razzien in christlichen Hausgemeinden durchgeführt hatten. Dabei waren in Teheran, der nahegelegenen Stadt Karaj sowie in der westiranischen Stadt Malayer Dutzende Christinnen und Christen verhaftet worden. Augenzeugen berichteten damals, dass die Verhafteten unter Misshandlungen abgeführt wurden.

Joseph Shahbazian, Malihe Nazari und Mina Khajavi wurden nach der Verhaftung wochenlang im Teheraner Evin-Gefängnis festgehalten und Isolationshaft und wiederholten aggressiven Verhören ohne Rechtsbeistand ausgesetzt. Mina Khajavi berichtete später, dass sie in der Haft gezwungen worden sei, ein falsches „Geständnis“ zu unterschreiben, das ihr von Regime-Gardisten diktiert worden sei.

Ende August 2020 bzw. Ende September 2020 wurden die Christen nach Zahlung von Kautionen vorläufig auf freien Fuß gesetzt. Nach ihrer Verurteilung droht ihnen nun jahrelange Haft.

Hintergrund:

Die wenigen persischsprachigen Kirchen, die es im Iran noch gibt, werden streng überwacht und dürfen weder Besucher noch neue Mitglieder aufnehmen. Die Kirchen ethnischer Minderheiten dürfen Gottesdienste nur in ihrer eigenen Sprache durchführen. Daher sind alle anderen persischsprachigen Christen, insbesondere ehemalige Muslime, die zum christlichen Glauben konvertiert sind, gezwungen, sich in ihren Häusern zum Gottesdienst zu treffen. Das Regime sieht solche Treffen jedoch als „Gefährdung der Staatssicherheit“ und verfolgt die Christen mit Schikanen, Razzien, Verhaftungen, Geld- und Gefängnisstrafen.

Im Jahr 2021 wurde die Repression im Iran durch neue islamistische Gesetze weiter verschärft. Dazu heißt es im Jahresbericht von Amnesty International vom März 2022: „Das Parlament höhlte das Recht auf Religions- und Glaubensfreiheit im Januar 2021 weiter aus, indem es zwei neue Paragrafen in das Strafgesetzbuch aufnahm, wonach die "Diffamierung staatlich anerkannter Religionen, iranischer Bevölkerungsgruppen und islamischer Glaubensrichtungen" sowie "abweichende erzieherische oder missionarische Aktivitäten, die dem Islam widersprechen" mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren und/oder einer Geldstrafe geahndet werden können. Im Juli wurden drei Männer, die zum Christentum konvertiert waren, auf dieser Grundlage zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.“

Trotz schlimmster Unterdrückung widersetzen sich die iranischen Christen standhaft dem Druck durch das Regime, das sie zwingen will, ihren Glauben zu ändern. Internationale Aufmerksamkeit und massiver öffentlicher Druck sind dringend notwendig, um die Christenverfolgung im Iran zu stoppen. Abschiebungen von iranischen Asylsuchenden, die konvertierte Christen sind, müssen gestoppt werden, da ihnen im Iran ernste Gefahren für Leib und Leben drohen.

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