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Menschenrechtsverein für Migranten e.V.
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09. April 2018

Iran: Repressalien gegen christliche Gefangene

In iranischen Gefängnissen wird Häftlingen, die aus politischen oder Glaubensgründen inhaftiert sind, systematisch der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung verweigert. Dies geschieht vorsätzlich, um Gefangene einzuschüchtern, zu bestrafen oder zu erniedrigen.

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Berichten von Menschenrechtsverteidigern zufolge wird dem iranischen Christen Naser Navard Gol-Tapeh (Bild), der im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert ist, die dringend benötigte medizinische Versorgung verweigert. Er leidet an schweren Zahnfleisch-Infektionen, die zum Zahnverlust führen können, wenn sie nicht ausreichend behandelt werden.

In iranischen Gefängnissen wird Häftlingen, die aus politischen oder Glaubensgründen inhaftiert sind, systematisch der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung verweigert. Dies geschieht vorsätzlich, um Gefangene einzuschüchtern, zu bestrafen oder zu erniedrigen, oder um sie zu "Geständnissen" oder "Reuebekundungen" zu zwingen. Die Gesundheit der Gefangenen wird routinemäßig als Druckmittel eingesetzt.

Zu den üblichen Praktiken, die die Gesundheit und das Leben der Gefangenen gefährden, zählen: die Verzögerung oder Verweigerung von dringend notwendiger oder fachärztlicher medizinischer Behandlung; das Herunterspielen oder Ignorieren der Ernsthaftigkeit von Erkrankungen und das Verschreiben von gewöhnlichen Schmerzmitteln und Beruhigungsmitteln ohne die zugrundeliegende Erkrankung zu behandeln; das Zurückhalten von Medikamenten; und die Weigerung, todkranke Gefangene aus humanitären Gründen zu entlassen, bzw. die Forderung nach der Zahlung sehr hoher Kautionssummen.

Der iranische Christ Naser Navard Gol-Tapeh und drei Christen aus Aserbaidschan waren im Juni 2016 in Teheran verhaftet worden, wo sie befreundete Christen besuchten. Sie waren bis Ende Oktober 2016 im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert, davon zwei Monate in Einzelhaft. Nachdem alle vier Männer gegen Zahlung von hohen Kautionen freigelassen worden waren, durften die drei Aserbaidschaner im November 2016 in ihre Heimat ausreisen.

Im Juni 2017 wurde Naser Navard Gol-Tapeh von einem Teheraner Gericht zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ihm wurde sein Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben und „Gefährdung der Staatssicherheit“ durch missionarische Arbeit vorgeworfen. Sein Berufungsantrag wurde im November 2017 abgelehnt. Im Januar 2018 trat er seine 10-jährige Haftstrafe an.

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Unterdessen wurde dem iranischen Christen Hadi Asgari, der ebenfalls wegen seines Glaubens im Teheraner Evin-Gefängnis inhaftiert ist, erneut die ihm rechtlich zustehende Haftunterbrechung verweigert. Obwohl seine Familie den notwendigen Geldbetrag für eine Kaution aufgebracht hatte, wurde dem Gefangenen auch zum iranischen Neujahrsfest am 20. März kein Hafturlaub gewährt. Hadi Asgari ist seit 19 Monaten ununterbrochen in Gefangenschaft, obwohl die gegen ihn verhängte Haftstrafe noch nicht rechtskräftig ist. Seine Gesundheit hat in der Haft erheblich gelitten.

Hadi Asgari, der vom Islam zum christlichen Glauben übergetreten ist, wurde im August 2016 mit mehreren anderen Mitgliedern seiner christlichen Hausgemeinde festgenommen. Er wurde zunächst wochenlang ohne Kontakt zur Außenwelt im Evin-Gefängnis festgehalten und verhört. Nach Monaten der Ungewissheit folgte dann die Anklage.

Im Juli 2017 wurde Hadi Asgari mit der pauschalen Beschuldigung „Gefährdung der Staatssicherheit“ und „Organisation von Hausgemeinden“ zu 10 Jahren Haft verurteilt. Er hat Berufung gegen das Urteil eingelegt und wartet seither auf die Berufungsverhandlung. Die auf den 4. Februar 2018 angesetzte Verhandlung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Während andere Gemeindemitglieder nach Hinterlegung von Kautionen freigelassen wurden, wird Hadi Asgari weiter in Gefangenschaft gehalten. Er gehört zur Gemeinde des in Teheran lebenden Pastors Victor Bet-Tamraz, der im Juli 2017 ebenfalls von einem Revolutionsgericht zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde.

Anfang Februar 2018 haben sich vier Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen besorgt über die Christenverfolgung im Iran geäußert und faire und transparente Gerichtsverfahren für angeklagte Christen gefordert. Sie hätten Berichte über mehrere Fälle erhalten, nach denen gegen Angehörige der christlichen Minderheit schwere Strafen verhängt wurden, nachdem ihnen „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ vorgeworfen wurde, weil sie das Evangelium verbreitet oder an Versammlungen in Hauskirchen teilgenommen hatten.

Die UN-Experten forderten die sofortige und bedingungslose Freilassung derjenigen, die wegen Ausübung ihres Rechts auf Religions- und Glaubensfreiheit im Iran in Haft sind.

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